06.03.2017

Kann Andexanet alfa die Antikoagulationstherapie revolutionieren?

Das Antidot Andexanet alfa wurde von der Firma Portola Pharmaceuticals speziell dafür konzipiert und entwickelt, die Wirkung sowohl von direkten als auch von indirekten Faktor-Xa-Inhibitoren aufzuheben. Die vorläufigen Ergebnisse der ANNEXA-4-Studie (Phase-III)1 sind vielversprechend: bei Patienten mit schwerwiegenden Blutungen konnte Andexanet alfa die Aktivität von Faktor-Xa-Inhibitoren innerhalb von Minuten effektiv reduzieren.1

Intravenöse Applikation in Medizin, Forschung, Pharmazie

Die europäische Arzneimittelbehörde prüft den Zulassungsantrag von Andexanet alfa.

© Eisenhans / Fotolia

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Wie funktioniert Andexanet alfa?

Andexanet alfa ist ein dem körpereigenen Faktor Xa ähnliches Protein. Es bindet mit hoher Affinität kompetitiv an den nicht proteingebundenen, freien Anteil von direkten Faktor-Xa-Inhibitoren im Blut, wie Edoxaban, Apixaban und Rivaroxaban. Es besitzt selbst aber keine intrinsische katalytische Aktivität („decoy“). So verhindert Andexanet alfa die Bindung eines direkten Faktor-Xa-Inhibitors an den nativen Faktor Xa und unterbindet damit dessen antikoagulatorische Wirkung.2,3 Daneben wirkt Andexanet alfa auch auf indirekte Faktor-Xa-Inhibitoren aus der Gruppe der niedermolekularen Heparine, wie Enoxaparin.

Der Wirkstoff wird intravenös appliziert. Ausgeschieden wird der Komplex aus Andexanet alfa und Faktor-Xa-Hemmer über die Leber.2

Die vorläufigen Ergebnisse der ANNEXA-4-Studie (Phase-III) machen Hoffnung

In der laufenden prospektiven klinischen Phase-III-Studie werden die hämostatische Effizienz und die Sicherheit von Andexanet alfa bei Patienten untersucht, bei denen innerhalb von 18 Stunden nach der letzten Einnahme eines Faktor Xa-Inhibitors eine schwerwiegende Blutung eintrat.1 Vorläufige Ergebnisse von bislang 67 Teilnehmern zeigen, dass Andexanet alfa die Wirkung dieser Antikoagulanzien schnell und effektiv aufheben kann. Mit schwerwiegenden Nebenwirkungen muss dabei laut aktueller Datenlage nicht gerechnet werden.1 Weitere Informationen finden Sie in der deutschen Zusammenfassung der ANNEXA-4-Studie.

Aktueller Stand der Zulassungsverfahren von Andexanet alfa

Die US-amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) hatte Andexanet alfa bereits den Status eines therapeutischen Durchbruchs („breakthrough therapy“) und einer „Orphan Drug“ eingeräumt. Dadurch ist ein beschleunigtes Zulassungsverfahren möglich. Eine schnelle Entscheidung wurde jetzt allerdings verzögert, da noch weitere Daten benötigt werden. Zum einen zum Herstellungprozess von Andexanet alfa, zum anderen zur Sicherheit und zur Wirksamkeit als Antidot für die Antikoagulanzien Edoxaban und Enoxaparin.4 In die ANNEXA-4-Studie werden Patienten mit akuten schwerwiegenden Blutungen eingeschlossen.1 In der Europäischen Union ist die Zulassung von Andexanet alfa ebenfalls beantragt. Sie wurde kürzlich von der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zur Prüfung in einem regulären Verfahren akzeptiert.4

Was tun bei lebensbedrohlichen Blutungen unter LIXIANA® (Edoxaban)?

Auch wenn bislang kein spezifisches Antidot für Edoxaban zur Verfügung steht, gibt die Fachinformation von LIXIANA® klare Handlungsanweisungen für den Fall vor, dass unter der Therapie eine lebensbedrohliche Blutung auftritt. Generell gilt bei Blutungen, dass die gewählten Maßnahmen individuell an den Schweregrad und den Blutungsort angepasst werden sollten. Kann eine lebensbedrohliche Blutung mit Maßnahmen wie z.B. Transfusion oder Hämostase nicht beherrscht werden, kann die Gabe eines Prothrombinkomplex-Konzentrates (PPSB) in einer Dosierung von 50 I.E./kg die Wirkungen von Edoxaban 30 Minuten nach Ende der Infusion aufheben.5,6

Teilen Sie die hohen Erwartungen an Andexanet alfa als Antidot in der Antikoagulationstherapie mit Faktor-Xa-Inhibitoren?