20.01.2017

Kann Sport Herzrhythmusstörungen lindern?

Die Sorge, das eigene Herz zu überlasten oder sich einem zu hohen Verletzungsrisiko auszusetzen, mag für manchen älteren Patienten mit Vorhofflimmern Grund genug sein, auf sportliche Aktivitäten zu verzichten. Wissenschaftliche Daten legen jedoch nahe, dass eine Steigerung der körperlichen Fitness das Wiederauftreten von Flimmerepisoden deutlich reduzieren kann.1 Lesen Sie hier, welche Sportarten für diese Patientengruppe gut geeignet sind und was Sie Ihren Patienten raten können, um rund um das Jahr sportlich aktiv zu bleiben.

Ältere Frau auf Gymnastikball beim Sport

Eine Steigerung der körperlichen Fitness kann das Wiederauftreten von Flimmerepisoden deutlich reduzieren.

© contrastwerkstatt / Fotolia

Während Leistungssportler und Athleten durch ihre andauernden Belastungen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern (VHF) haben4, ist der Nutzen von körperlicher Aktivität in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch zahlreiche große epidemiologische Studien klar belegt.2 Jüngst zeigte ein Forscherteam um Dr. Rajeev Pathak von der Universität Adelaide in seiner CARDIOFIT-Studie, dass Patienten mit Rhythmusstörungen keine Ausnahme machen1. 308 übergewichtige Patienten mit symptomatischem paroxysmalen oder persistierenden Vorhofflimmern (VHF) und einem BMI (kg/m2) ≥ 27 wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich vier Jahren beobachtet. Sie nahmen dabei an einem individuell zugeschnittenen Fitnessprogramm teil. Patienten, die zu Studienbeginn im Vorhofflimmern waren, wurden ausgeschlossen.

Die Autoren berichten folgende Ergebnisse:1

    • Bei mehr als zwei Dritteln der Patienten, die sich bereits zu Studienbeginn in einem Zustand guter kardiovaskulärer Fitness befanden, trat kein Vorhofflimmern mehr auf.*
    • Bei Patienten mit adäquatem beziehungsweise schlechtem Trainingszustand waren es dagegen nur 35 % beziehungsweise 12 %, die keine weitere Flimmerepisode mehr erlitten.
    • Patienten, die ihre Fitness im Laufe der Studie durch das angebotene Trainingsprogramm steigerten (gemessen in metabolischen Äquivalenten), senkten deutlich das Risiko für das Wiederauftreten von Vorhofflimmern.

Hinsichtlich der Auswahl einer geeigneten Sportart gelten für Patienten mit Vorhofflimmern ähnliche Prinzipien wie bei anderen kardiovaskulären Erkrankungen. So ist ein mit mittlerer Intensität durchgeführtes aerobes Ausdauertraining, bei dem die Belastungs­intensität individuell angepasst werden kann, besonders geeignet, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und einen positiven Einfluss auf kardiovaskuläre Risikofaktoren zu erzielen.2 Dabei sollten die individuellen Charakteristika des jeweiligen Patienten in die Beratung mit einfließen. Alter, Geschlecht und sportliche Vorerfahrung sollten Sie dabei genauso berücksichtigen wie Trainingsziele und Motivation.2 Denn nur, wenn der Patient am ausgewählten Sport auch Spaß hat, wird er ihn langfristig ausüben wollen.

Besonderheiten bei VHF-Patienten

Wie bei allen Herzpatienten ist zu Beginn des Trainings eine langsame Steigerung der Übungsintensität, die auf die individuelle Belastbarkeit des Patienten abgestimmt sein muss, wichtig.2 Bei VHF-Patienten ist dabei besonders zu beachten, dass bei VHF keine Proportionalität zwischen Leistung und Herzfrequenzanstieg besteht und somit die Herzfrequenz nicht zur Belastungskontrolle herangezogen werden kann. Stattdessen kann man aber die maximale Leistungsfähigkeit in Watt in regelmäßigen ergometrischen Untersuchungen feststellen.2 Da der Einsatz einer Pulsuhr bei VHF-Patienten keine validen Informationen bereit hält, ist eine für den Alltag praktikablere Maßnahme, der sportlichen Aktivität mit einem Partner oder in einer Gruppe nachzugehen und sich während des Sports zu unterhalten. Wenn dies möglich ist, ist die körperliche Belastung adäquat.3 Treten beim Sport Schwindelsymptome auf, ist es ratsam, das Training abzubrechen und eine sportliche Aktivität zu überdenken.4 Sportarten, die mit einem hohen Sturz- und Verletzungsrisiko einhergehen, wie beispielsweise Reiten oder schnelle Ballsportarten, sind für Patienten, die mit einem Gerinnungshemmer behandelt werden, ggf. nicht empfehlenswert.

Sportarten, die sich für Herzpatienten eignen, sind beispielsweise:2

  • Nordic Walking
  • Mäßiges Wandern
  • Schwimmen
  • Radfahren

Und auch in der kalten Jahreszeit gibt es ausreichend Möglichkeiten, sportlich aktiv zu bleiben. Dazu bieten sich Langlaufen und Schneewanderungen an. Für Patienten, die gerne Rad fahren, ist für die Wintermonate möglicherweise die Anschaffung eines Ergometers eine Option.

Eine sinnvolle Ergänzung des aeroben Ausdauertrainings sind Übungen zur Verbesserung der Flexibilität und Koordination. Besonders ältere, sturzgefährdete Patienten können hiervon profitieren.2

Zum Thema „Sport bei Vorhofflimmern“ stellen wir Ihnen eine Patienteninformation zum Download zur Verfügung:

*frei von Arrhythmien ohne Verwendung von Antiarrhythmika oder interventionelle Ablation

Vorhofflimmern und Sport: Wie ist Ihre Meinung?

Quellen:

    1. Pathak RK, Elliott A, Middeldorp ME et al. Impact of CARDIOrespiratory FITness on Arrhythmia Recurrence in Obese Individuals With Atrial Fibrillation: The CARDIOFIT Study. J Am Coll Cardiol 2015; 66: 985-996
    2. Bjarnason-Wehrens B, Schulz O, Gielen S et al. Leitlinie körperliche Aktivität zur Sekundärprävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Clin Res Cardiol 2009: Suppl. 3: 1-44
    3. Edel K. Ist Sport bei Vorhofflimmern (VHF) möglich? Interview in “Die Gerinnung”. Online verfügbar unter: http://www.herz-kreislauf-zentrum-rotenburg.de/tl_files/inhalte/das-zentrum/fachberichte/Gerinnung-53-1.pdf. Zuletzt aufgerufen am 23.11.2016-.
    4. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. ESC Pocket Guidelines: Leitlinien für das Management von Vorhofflimmern, Stand 2012.