Besser nüchtern bleiben: Alkoholverzicht senkt Rezidivrisiko bei VHF

Alkoholverzicht senkt Rezidivrisiko bei VHF

Laut einer aktuellen Studie kann eine deutliche Reduktion des Alkoholkonsums bei VHF-Patienten das Wiederauftreten von Arrhythmien senken.1

Das Wichtigste in Kürze:

  • In einer randomisierten kontrollierten Studie1 an Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) kam es in der Alkoholabstinenzgruppe deutlich seltener zu Herzrhythmusstörungen als in der Kontrollgruppe (53 % versus 73 %).
  • Der Alkoholverzicht verkürzte den zeitlichen Anteil, der mit VHF verbracht wurde, signifikant (0,5 % versus 1,2 %).
  • Die Teilnehmer der Abstinenzgruppe mussten seltener aufgrund von VHF-Problemen ins Krankenhaus (9 % versus 20 %).

Randomisierte Open-Label-Studie mit 140 Patienten

An einer prospektiven kontrollierten Studie nahmen zwischen März 2016 und Februar 2018 insgesamt 140 Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) teil. Sie stammten aus sechs verschiedenen australischen Krankenhäusern und wurden 1 : 1 in eine Abstinenz- und eine Kontrollgruppe randomisiert.1 Die Einschlusskriterien waren dabei unter anderem

  • das Vorliegen eines paroxysmalen symptomatischen VHFs oder
  • das Vorliegen eines persistierenden symptomatischen VHFs mit einer Rhythmuskontrollstrategie und
  • ein regelmäßiger Alkoholkonsum von zehn oder mehr Standard-Drinks pro Woche (ein Standard-Drink entspricht etwa 12 Gramm reinem Alkohol, also zum Beispiel einem kleinen Glas Bier).1

Die Patienten in der Abstinenzgruppe sollten für die komplette Studiendauer von sechs Monaten auf jegliche Form von Alkohol verzichten. Die Patienten in der Kontrollgruppe durften dagegen ihren bisherigen Alkoholkonsum wie gewohnt weiterführen.1 Die Umsetzung der Vorgaben wurde engmaschig überwacht – unter anderem durch den Nachweis von Alkoholabbauprodukten im Urin.

Das Rhythmusmonitoring wurde mit implantierbaren Loop-Rekordern, existierenden Schrittmachern sowie mobilen EKG-Rekordern durchgeführt. Als primäre Endpunkte wurden das Wiederauftreten von VHF – definiert als jede atriale Tachyarrhythmie mit einer Dauer von über 30 Sekunden – und die generelle zeitliche Belastung mit VHF festgelegt.1

Abstinente Patienten haben weniger VHF

Von den ursprünglich 140 randomisierten Patienten beendeten 137 (97,9 %) den kompletten Follow-up-Zeitraum von sechs Monaten. Ein vollständiger Verzicht auf Alkohol gelang 61 % der Teilnehmer in der Abstinenzgruppe. Durchschnittlich reduzierte diese Gruppe ihren Alkoholkonsum von circa 16,8 auf 2,1 Standardeinheiten Alkohol pro Woche, was einer Alkoholreduktion von 87,5 % entspricht.1 Auch in der Kontrollgruppe wurde eine mäßige Abnahme des Alkoholkonsums beobachtet: Die Teilnehmer verringerten ihre Alkoholaufnahme von ungefähr 16,4 auf 13,2 Standardeinheiten pro Woche (Reduktion von 19,5 %).1 Die Wissenschaftler kamen zu folgenden Ergebnissen:1

  • VHF trat bei 37 Patienten in der Abstinenzgruppe (53 %) und bei 51 Patienten (73 %) in der Kontrollgruppe auf.
  • Die zeitliche Gesamtbelastung durch Herzrhythmusstörungen war in der Abstinenzgruppe deutlich geringer: Der mediane prozentuale Anteil der Zeit mit Vorhofflimmern an der Gesamtzeit lag hier bei 0,5 %, in der Kontrollgruppe bei 1,2 % (p = 0,01).
  • Der zeitliche Abstand, bis das VHF erneut auftrat, war in der Abstinenzgruppe länger als in der Kontrollgruppe (HR = 0,55; 95-%-Konfidenzintervall: 0,36–0,84; p = 0,005 im Log-Rank-Test.)

Fazit: Alkoholabstinenz kann VHF vorbeugen

Der Verzicht auf eine wesentliche Menge an Alkohol kann bei Patienten mit symptomatischem VHF und regelmäßigem Alkoholkonsum die Rezidivhäufigkeit verringern. Zudem erhöhte sich in der dargestellten Studie der Zeitanteil ohne VHF durch den Alkoholverzicht signifikant.1 Eine aktuelle Meta-Analyse, in der die Ergebnisse von 13 Studien mit insgesamt 10.266.315 Teilnehmern ausgewertet wurden, zeigt außerdem, dass bereits ein geringer bis mäßiger Alkoholkonsum das VHF-Risiko insgesamt erhöht.2 Die regelmäßige Aufnahme von Alkohol könnte daher ein wichtiger – aber modifizierbarer – Risikofaktor sein, der sowohl die Entstehung als auch das Wiederauftreten von VHF beeinflusst.

 

Quellen:

  1. Voskoboinik A, Kalman JM, De Silva A et al. Alcohol Abstinence in Drinkers with Atrial Fibrillation. N Engl J Med 2020; 382: 20-28. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31893513
  2. Yang L, Chen H, Shu T et al. Risk of incident atrial fibrillation with low-to-moderate alcohol consumption is associated with gender, region, alcohol category: a systematic review and meta-analysis. Europace 2021: euab266. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34864980/

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