Auswirkung von Cannabiskonsum auf postoperative Komplikationen

Der Konsum von Cannabis beeinflusst das kardiovaskuläre System und die Psyche. Das ist bereits bekannt.1 Wie starker Cannabiskonsum das gesundheitliche Risiko bei Operationen beeinflusst, hat nun eine amerikanische Forschergruppe untersucht.1

Eine retrospektive populationsbasierte Kohortenstudie sollte klären, ob Patienten mit starkem Cannabiskonsum („aktivem Cannabismissbrauch“) ein höheres Risiko für perioperative Komplikationen aufweisen als Patienten, die kein Cannabis konsumieren.1 Dafür analysierten Forscher die Daten von amerikanischen Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren, die im Zeitraum von 2006 bis 2015 im Krankenhaus operiert wurden.

Das primäre Outcome der Studie war ein kombinierter Endpunkt, bestehend aus den postoperativen Ereignissen

  • Myokardinfarkt,
  • Schlaganfall,
  • Sepsis,
  • tiefe Beinvenenthrombose,
  • pulmonaler Embolus,
  • akute Nierenverletzung mit benötigter Dialyse,
  • Lungenversagen und
  • Mortalität.1

Das sekundäre Outcome beinhaltete die Länge des Krankenhausaufenthaltes, die Gesamtkosten des Aufenthaltes und die einzelnen Komponenten des kombinierten primären Endpunkts.1

Erhöhte Gefahr für postoperative Myokardinfarkte

Für die Studie wurden die Daten von gut vier Millionen Patienten, die im Krankenhaus operiert worden waren, herangezogen. Diese Daten stammten aus der US-amerikanischen NIS-Datenbank (NIS = Nationwide Inpatient Sample). Nach einem Propensity-Score-Matching wurden 13.603 Patienten, die viel Cannabis konsumierten, der gleichen Anzahl an Patienten, die kein Cannabis konsumierten, gegenübergestellt.1 Dabei zeigte sich Folgendes:

  • Ein Endpunktereignis gemäß der oben genannten Definition trat bei 3,1 % der operierten Cannabiskonsumenten (n = 415) und bei 2,9 % der operierten Patienten ohne aktiven Cannabiskonsum (n = 400) ein.
  • Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied in Bezug auf das kombinierte postoperative Outcome (nicht adjustierte Odds Ratio [OR] = 1,29; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,17–1,42; p < 0,001; adjustierte OR = 0,97; 95-%-KI: 0,84–1,11; p = 0,63).
  • Auch in Bezug auf die Mortalität im Krankenhaus, auf die Länge des Krankenhausaufenthaltes und auf die durch den Krankenhausaufenthalt verursachten Kosten gab es keinen signifikanten Unterschied.1

Allerdings war das Risiko für einen postoperativen Myokardinfarkt bei Patienten mit starkem Cannabiskonsum im Vergleich zu Patienten ohne Cannabismissbrauch deutlich erhöht: Die adjustierte OR betrug 1,88 (95-%-KI: 1,31–2,69; p < 0,001), die nicht adjustierte OR betrug 2,88 (95-%-KI: 2,34–3,55; p < 0,001).1

Stärken und Schwächen der Studie

Die Stärke der Studie liegt in ihrem großen, repräsentativen Datensatz, bei dem ganz verschiedene Operationsarten berücksichtigt werden konnten (siehe Infobox „Details zur Studie“).1 Zudem konnten die Daten in Bezug auf die demografischen Einflüsse und Komorbiditäten bereinigt werden. Die Schwäche der Untersuchung liegt hauptsächlich darin, dass es sich dabei um eine reine Beobachtungsstudie handelt. Somit können Störfaktoren zur Verzerrung der Daten führen. Allerdings zeigte die Sensitivitätsanalyse, dass die Störfaktoren signifikant groß sein müssten, um den Zusammenhang zwischen postoperativem Myokardinfarkt und starkem Cannabiskonsum zu widerlegen.1

Details zur Studie

  • Die Definition des „aktiven Cannabismissbrauchs“ der Studie richtete sich nach der amerikanischen Version der internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (The International Classification of Diseases, 9th revision, Clinical Modification [ICD-9-CM]).
  • Die Daten der Krankenhauspatienten entstammten der US-amerikanischen Datenbank Nationwide Inpatient Sample (NIS). Für die beschriebene Studie wurden die Informationen der Jahre 2006–2015 analysiert.
  • Die Operationen, denen sich die untersuchten Patienten unterzogen, waren totaler Kniegelenkersatz, totaler Hüftgelenkersatz, Koronararterienbypass, Kaiserschnitt, Cholezystektomie, Kolektomie, Hysterektomie, Brustoperationen (Lumpektomie und Mastektomie), Leistenbruchverschluss, Laminektomie oder andere Wirbelsäulenoperationen.

Quellen:

  1. Outcomes in Major Elective Surgeries: A Retrospective Cohort Analysis. Anesthesiology: The Journal of the American Society of Anesthesiologists 2020; 132: 625-635. https://doi.org/10.1097/ALN.0000000000003067

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