24.05.2016

Experteninterview im Rahmen des GTH-Kongresses 2016

Welche Vorteile bieten die Nicht-VKA oralen Antikoagulanzien (NOAKs), welche Patienten sollten ein NOAK erhalten und wie sind die Diskussionen rund um Gerinnungstests und Antidote einzuschätzen? Prof. Dr. Wolfgang Korte, Chefarzt des Zentrums für Labormedizin im Kantonsspital St. Gallen, beantwortete diese Fragen in einem Interview im Rahmen der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für Thrombose und Hämostase (GTH) in Münster.

Arzt mit Stethoskop und verschränkten Armen

© Saklakova / iStock

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Die Nicht-VKA oralen Antikoagulanzien (NOAKs) zeichnen sich in der Schlaganfallprophylaxe bei nichtvalvulärem Vorhofflimmern (nvVHF) im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten (VKAs) durch ein besseres Nutzen-Risiko-Profil aus. Der Grund: Schlaganfälle und systemische Embolien treten bei einer NOAK-Therapie seltener auf und auch die Sterblichkeit ist dabei signifikant reduziert.1 Im Gegensatz zu den VKAs, die indirekt über eine Senkung des Vitamin-K-Spiegels die Blutgerinnung beeinflussen, wirken die NOAKs durch die direkte Inhibition von Gerinnungsfaktoren (Edoxaban, Apixaban, Rivaroxaban: Faktor Xa; Dabigatran: Thrombin).2,3 Durch die unterschiedliche Wirkungsweise ergeben sich auch Unterschiede in der Handhabung für Arzt und Patienten.

NOAKS – mehr Sicherheit und einfachere Handhabung

Prof. Dr. Wolfgang Korte, Chefarzt des Zentrums für Labormedizin im Kantonsspital St. Gallen, sieht drei wesentliche Vorteile der NOAKs gegenüber den VKAs, wie er in einem Interview im Rahmen der 60sten Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose und Hämostase (GTH) erklärt. Dabei handelt es sich um:

Der Verzicht auf regelmäßige Gerinnungskontrollen ist häufig Gegenstand von Diskussionen. Für Prof. Korte sind die Daten, die in den klinischen Studien und nun auch im realen klinischen Alltag gewonnen wurden, überzeugend. Er hält ein routinemäßiges Monitoring deshalb nicht für notwendig.

In speziellen Situationen kann es laut Prof. Korte dennoch sinnvoll sein, eine Spiegel­bestimmung der jeweiligen Wirksubstanz durchzuführen – und zwar

Welches Antikoagulanz für welchen Patienten?

Bei jedem Patienten, bei dem die Indikation zur Antikoagulation besteht, muss der behandelnde Arzt individuell entscheiden, welches Antikoagulanz er für geeignet hält.

Prof. Korte gibt dazu folgende Empfehlungen:

Einsatz von NOAK-Antidoten

Für die meisten NOAKs steht derzeit noch kein spezifisches Antidot zur Verfügung. Treten lebensbedrohliche Blutungskomplikationen auf, gibt es dennoch Möglichkeiten, die Blutgerinnbarkeit wiederherzustellen. Beispielsweise kann durch die Gabe eines Prothrombinkomplex-Konzentrates (PPBS) die Wirkung von LIXIANA® (Edoxaban) aufgehoben werden.3

Das Fehlen spezifischer Antidote ist Gegenstand einer Diskussion, die laut Prof. Korte suggeriert, dass Blutungen bei einer Antikoagulationstherapie häufig und problematisch sind. Doch eben dies ist nach seiner Erfahrung beim Einsatz von NOAKs nicht der Fall. Er rechnet vielmehr damit, dass sich der Einsatz von Antidoten auf nur wenige Fälle beschränken wird.

Das fünfminütige Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Korte können Sie hier ansehen: