16.02.2016

Gemüse und Co. – welchen Einfluss hat die Ernährung auf den INR-Wert?

Vitamin K ist ein Antidot bei Entgleisungen des INR-Werts unter einer Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten (VKAs).1 Welchen Einfluss hat das über die Nahrung aufgenommene Vitamin K auf eine VKA-Therapie? Welche Wechsel­wir­kungen gibt es und müssen sich VKA-Patienten bei der Ernährung einschränken?

Mehrere rosa Warfarin Tabletten

© Hailshadow / iStock

Quellen:

  1. Makris M, van Veen JJ, Maclean R. Warfarin anticoagulation reversal: management of the asymptomatic and bleeding patient. J Thromb Thrombolysis 2010; 29: 171-181
  2. De Caterina R, Husted S, Wallentin L et al. Vitamin K antagonists in heart disease: current status and perspectives (Section III). Position paper of the ESC Working Group on Thrombosis–Task Force on Anticoagulants in Heart Disease. Thromb Haemost 2013; 110: 1087-1107
  3. Montagnese C, Santarpia L, Buonifacio M et al. European food-based dietary guidelines: a comparison and update. Nutrition 2015; 31: 908-915
  4. Vitamin-K Gehalt ausgewählter Lebensmitteln, (Zusammenstellung der Universität Mainz). Verfügbar unter: http://www.staff.uni-mainz.de/goldinge/vitamink.htm, abgerufen am 28.11.2015.
  5. Hausärztliche Leitlinie Antikoagulation, Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten, Kassenärztliche Vereinigung Hessen, verfügbar unter: http://www.pmvforschungsgruppe.de/pdf/03_publikationen/antikoagulation_ll.pdf, abgerufen am 28.11.2015.
  6. Wang Y, Bajorek B. New oral anticoagulants in practice: pharmacological and practical considerations. Am J Cardiovasc Drugs 2014; 14: 175-189

INFORMATION FÜR FACHKRÄFTE

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Patienten, die erstmals Vitamin-K-Antagonisten (VKAs) einnehmen müssen, sind häufig verunsichert. Sie fragen sich, welchen Einfluss das Medikament auf ihr tägliches Leben hat. Die Aufgabe des Arztes ist es, die Ängste der Patienten ernst zu nehmen und diese Fragen offen zu beantworten. Auch die Frage nach der richtigen Ernährung unter einer VKA-Therapie beschäftigt viele Patienten. Bestimmte Lebensmittel komplett aus dem Speiseplan zu streichen, ist glücklicherweise selten nötig.2 Gemüse und Obst sind wesentliche Bestandteile einer gesunden Ernährung.3 Auch VKA-Patienten sollten sie in ausreichender Menge konsumieren.2 Dennoch gibt es einige Regeln, die Arzt und Patient bei der Ernährung beachten sollten, damit der INR-Wert dadurch nicht zu stark ins Schwanken gerät.

Allein die Dosis macht das Gift

Auf Vitamin-K-haltige Lebensmittel völlig zu verzichten, ist für VKA-Patienten nicht empfehlenswert.2 Nebenbei bemerkt, ist ein vollständiger Verzicht auf Vitamin K rein physiologisch auch gar nicht möglich, denn auch im Kolon wird durch Bakterien Vitamin K2 produziert.2 Dennoch gibt es einige Lebensmittel, die sehr viel Vitamin K enthalten. Dies sollten die Patienten bei der Zusammenstellung ihrer Mahlzeiten berücksichtigen, um große Schwankungen bei der täglichen Vitamin-K-Zufuhr zu vermeiden.2 Zu den Vitamin-K-Spitzenreitern zählen etwa Sauerampfer (600 µg/100 g), frische Brennnessel (600 µg/100 g) und Petersilie (790 µg/100 g).4 Als Faustregel gilt, dass vor allem grüne Lebensmittel einen hohen Gehalt an Vitamin K aufweisen.2

Auch in Spinat und in allen Arten von Kohl, wie Broccoli oder Wirsing, sowie in Linsen sind größere Mengen Vitamin K enthalten.4 Patienten, die VKAs einnehmen, müssen auf diese Lebensmittel zwar nicht komplett verzichten, doch sollten Sie darauf achten, eine ausgewogene Form der Ernährung zu etablieren, die jeden Tag ähnliche Mengen an Vitamin K enthält.2

Auf den Seiten der deutschen Herzstiftung finden Patienten nützliche Informationen zum Thema Ernährung und Vitamin-K-Antagonisten:

Ernährungsumstellung ärztlich begleiten

Eine Nahrungsumstellung des Patienten kann zu unerwünschten Schwankungen des INR-Wertes führen.5 Ebenso sollte der Arzt über die Einnahme von Nahrungs­ergänzungs­mitteln informiert werden und zu Beginn der Einnahme häufiger den INR-Wert kontrollieren, um den veränderten Bedarf an VKAs festzustellen.2

Zu wenig Vitamin K kann schädlich sein

Auch eine Ernährung, die sehr wenig Vitamin K enthält, ist nicht optimal für VKA-Patienten. Es konnte gezeigt werden, dass extrem niedrige Spiegel des Vitamins zu einer instabilen Einstellung des INR-Wertes führten. Bei Patienten, die regelmäßig nur sehr geringe Mengen Vitamin K aufnehmen, kann es sogar sinnvoll sein, in geringer Dosis Vitamin K zum VKA hinzuzugeben, um die Einstellbarkeit zu verbessern.2

Die Universität Mainz hat eine ausführliche Liste über den Vitamin-K-Gehalt der einzelnen Lebensmittel zusammengestellt. Unter folgendem Link können Sie die Liste online einsehen:

Eine Alternative zu den VKAs sind die Nicht-VKA oralen Antikoagulanzien (NOAKs), deren Wirkung durch die Ernährung kaum beeinflusst wird.6 Besonders Patienten, die trotz einer ausgewogenen Ernährung Probleme mit einer stabilen Einstellung des INR-Wertes haben, können hiervon profitieren.2

Fazit

VKA-Patienten dürfen zwar fast alles essen, sollten jedoch darauf achten, dass die tägliche Menge an Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln keinen großen Schwankungen unterliegt. Denn sowohl eine zu hohe als auch eine zu geringe Aufnahme von Vitamin K kann zu Schwierigkeiten bei der INR-Kontrolle führen. Die Wirksamkeit der NOAKs wird dagegen kaum durch die Ernährung beeinflusst, was die Handhabung für den Patienten vereinfacht.

Quellen:

  1. Makris M, van Veen JJ, Maclean R. Warfarin anticoagulation reversal: management of the asymptomatic and bleeding patient. J Thromb Thrombolysis 2010; 29: 171-181
  2. De Caterina R, Husted S, Wallentin L et al. Vitamin K antagonists in heart disease: current status and perspectives (Section III). Position paper of the ESC Working Group on Thrombosis–Task Force on Anticoagulants in Heart Disease. Thromb Haemost 2013; 110: 1087-1107
  3. Montagnese C, Santarpia L, Buonifacio M et al. European food-based dietary guidelines: a comparison and update. Nutrition 2015; 31: 908-915
  4. Vitamin-K Gehalt ausgewählter Lebensmitteln, (Zusammenstellung der Universität Mainz). Verfügbar unter: http://www.staff.uni-mainz.de/goldinge/vitamink.htm, abgerufen am 28.11.2015.
  5. Hausärztliche Leitlinie Antikoagulation, Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten, Kassenärztliche Vereinigung Hessen, verfügbar unter: http://www.pmvforschungsgruppe.de/pdf/03_publikationen/antikoagulation_ll.pdf, abgerufen am 28.11.2015.
  6. Wang Y, Bajorek B. New oral anticoagulants in practice: pharmacological and practical considerations. Am J Cardiovasc Drugs 2014; 14: 175-189