27.05.2016

Antikoagulation bei Patienten über 75 Jahren

Ein fortgeschrittenes Alter ist ein wichtiger Risikofaktor für Vorhofflimmern und thrombo­embolische Erkrankungen.1 Deshalb besteht bei älteren Patienten auch häufiger die Indikation zu einer Antikoagulationstherapie. Doch wie sicher und wirksam sind Antikoa­gulanzien in dieser Patientengruppe? Eine aktuelle Metaanalyse hat nun die Wirksamkeit und Sicherheit von Nicht-VKA oralen Antikoa­gulanzien (NOAKs) bei Patienten, die 75 Jahre oder älter sind, untersucht.1 Ihre Ergebnisse fassen wir im Folgenden für Sie zusammen.

Ärztin misst bei älterem Patienten Blutdruck

© AleksandarNakic / iStock

Quellen:

  1. Sharma M et al. Efficacy and Harms of Direct Oral Anticoagulants in the Elderly for Stroke Prevention in Atrial Fibrillation and Secondary Prevention of Venous Thromboembolism: Systematic Review and Meta-Analysis. Circulation 2015; 132: 194–204. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25995317
  2. Robert-Ebadi H et al. Anticoagulation in the Elderly. Pharmaceuticals 2010; 3: 3543–3569. http://www.mdpi.com/1424-8247/3/12/3543

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Bei älteren Patienten liegt nicht nur ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Erkrankungen vor, sondern auch ein erhöhtes Blutungsrisiko. Viele Ärzte befürchten daher das vermehrte Auftreten schwerer Blutungen in dieser Patientengruppe. Deshalb besteht generell die Tendenz, dass zu wenig ältere Patienten mit einer Antikoagulationsindikation auch tatsächlich ein Antikoagulanz erhalten.2

Doch wie gerechtfertigt sind diese Befürchtungen im Hinblick auf die Nicht-VKA oralen Antikoagulanzien (NOAKs)? Wie wirksam und sicher sind NOAKs in dieser speziellen Patientengruppe? Dieser Frage ging eine Forschergruppe um Manuj Sharma vom King´s College in London nach. Sie wertete dazu Daten aus elf klinischen Studien für die NOAKs Edoxaban, Dabigatran, Apixaban und Rivaroxaban für die Patientengruppe ≥ 75 Jahre aus.1

Dabei zeigte sich, dass alle NOAKs in puncto Wirksamkeit der Kontrolltherapie mit Vitamin-K-Antagonisten (VKAs) bei älteren Patienten nicht unterlegen waren. Dies galt sowohl hinsichtlich des Schlaganfall- und Embolierisikos bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern (nvVHF) als auch bei rezidivierender venöser Thromboembolie (VTE).1

Bei älteren Patienten mit nvVHF war das Risiko eines Schlaganfalls oder eines systemischen thromboembolischen Ereignisses im Vergleich mit VKAs für Dabigatran (150 mg) und Apixaban sogar signifikant erniedrigt. (Dabigatran: Odds Ratio [OR] 0,66; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,49–0,90; p = 0,009; Apixaban: OR 0,70; 95-%-KI 0,52–0,93; p = 0,01). Dies galt auch für die Gesamtpopulation.1

Verändertes Blutungsrisiko bei älteren Patienten

Im Vergleich zur Gesamtpopulation stellten die Forscher bei älteren Patienten ein verändertes Blutungsprofil fest:

Fazit:

NOAKs erweisen sich auch bei Patienten, die 75 Jahre alt oder älter sind, als vergleichbar wirksame Schlaganfallprophylaxe bei nvVHF und für die Behandlung und Rezidiv­prophylaxe bei VTE im Vergleich zu VKAs. Das Risiko für schwere Blutungen ist unter Edoxaban und Apixaban im Vergleich zu VKAs signifikant geringer. Bei Dabigatran wurde im Vergleich zu VKAs ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Blutungen beobachtet.

Hier können Sie sich die NOAK-Highlights von der ESC 2016 downloaden:

Quellen:

  1. Sharma M et al. Efficacy and Harms of Direct Oral Anticoagulants in the Elderly for Stroke Prevention in Atrial Fibrillation and Secondary Prevention of Venous Thromboembolism: Systematic Review and Meta-Analysis. Circulation 2015; 132: 194–204. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25995317
  2. Robert-Ebadi H et al. Anticoagulation in the Elderly. Pharmaceuticals 2010; 3: 3543–3569. http://www.mdpi.com/1424-8247/3/12/3543