02.01.2018

So stärken Sie Ihren Schutzschild gegen Stress

Resiliente Menschen bleiben auch im stressigen Arbeitsalltag physisch und psychisch gesund. Lesen Sie hier, mit welchen Strategien Sie Ihre Resilienz stärken können und welche Tipps zur Stressprävention Ihre Kollegen für Sie bereithalten.

Seil hängt nur noch am seidenen Faden

© Hortigüela / Fotolia

Resilient sein – das heißt, auch unter hoher Belastung nicht die Freude am Beruf zu verlieren, mit schwierigen Aufgaben zu wachsen und in stressvollen Zeiten psychophysisch gesund zu bleiben.4 Die Resilienz ist daher eine Eigenschaft, die im Arztberuf besonders wichtig ist. Jeder Mensch besitzt zwar eine individuelle Toleranzgrenze für Stress.4 Studien haben aber gezeigt, dass sich die Resilienz dennoch auch aktiv beeinflussen lässt.5, 6

Diese Präventivhandlungen fördern die Resilienz

Im Rahmen einer Interviewstudie wurden Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten nach Faktoren gefragt, die ihre eigene Resilienz subjektiv stärken. Häufig genannte Punkte7 waren

  • die Gratifikation aus der Arzt-Patienten-Beziehung,
  • der Rückhalt aus der Familie und dem Freundeskreis,
  • regelmäßige Freizeitaktivitäten (Sport, Kultur, Entspannungspraktiken etc.),
  • der Austausch mit Kollegen und die gegenseitige Unterstützung innerhalb dieses Netzwerkes,
  • eine bewusste Arbeitszeitbegrenzung, Selbstreflexion und -organisation sowie ein funktionierendes Fehlermanagement und
  • die Erfahrung der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns, die Anerkennung durch Außenstehende und ein hohes Selbstwertgefühl.

Gesunder Egoismus schützt vor Burn-out

Was bringt Ärzte dazu, die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu überschreiten? Ein Aspekt könnte der hohe Anspruch vieler Ärzte an die eigene Kompetenz und Erreichbarkeit sein. Die Folge davon ist, dass sie ihr eigenes Wohlbefinden zugunsten einer optimalen Patientenversorgung vernachlässigen.7

Mediziner, die bereits einen Burn-out oder eine Depression erlitten haben, raten ihren Kollegen daher zu mehr Selbstfürsorge und der bewussten Pflege privater Interessen – ganz nach dem Motto: “Lernen Sie, auch einmal ‘Nein’ zu sagen”.7

Finden Sie eine Balance zwischen Nähe und Distanz

Mit Empathie und Mitgefühl fördern Sie die Arzt-Patienten-Beziehung. Denn so vermitteln Sie, dass Ihnen die Gesundheit Ihres Patienten am Herzen liegt. Fühlt sich der Patient in Ihrer Praxis wohl, wirkt sich das positiv auf das Arbeitsklima aus. Und eine gute Arbeitsatmosphäre kann wiederum auch Ihrer Resilienz zuträglich sein.

Dennoch ist es im Arztberuf genauso wichtig, sich seinen Patienten gegenüber ausreichend abzugrenzen und die eigenen Grenzen zu erkennen und zu schützen.7 Machen Sie sich bewusst, dass nicht jeder Patient erfolgreich behandelt werden kann.

Die eigenen Worte beherzigen

Vielbeschäftigte Ärzte neigen dazu, frühe Warnzeichen von Stress in der Hoffnung zu ignorieren, dass sich die Situation von alleine bessert.4 Sicherlich würden Sie einem Erkrankten mit frühen Symptomen raten, rechtzeitig ärztliche Hilfe aufzusuchen. Wenn Ihnen ein Burn-out droht, sollten Sie diesen Ratschlag auch für sich selbst berücksichtigen: Hören Sie auf Ihren Körper, suchen Sie professionelle Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird, und lernen Sie, diese auch anzunehmen.

Hand aufs Herz - wie steht es um Ihre persönliche Resilienz?

Quellen:

  1. Sansone RA et al. Physician Grief with Patient Death. Innovations in Clinical Neuroscience 2012; 9: 22-26. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3366454/
  2. Williams ES et al. Heavy physician workloads: impact on physician attitudes and outcomes. Health Serv Manage Res 2007; 20: 261-269.
  3. Schneider S et al. Physician coaching to enhance well-being: a qualitative analysis of a pilot intervention. Explore (NY) 2014; 10: 372-379.
  4. Epstein RM et al. Physician resilience: what it means, why it matters, and how to promote it. Acad Med 2013; 88: 301-303.
  5. Zwack J et al. If every fifth physician is affected by burnout, what about the other four? Resilience strategies of experienced physicians. Acad Med 2013; 88: 382-389.
  6. Krasner MS et al. Association of an educational program in mindful communication with burnout, empathy, and attitudes among primary care physicians. Jama 2009; 302: 1284-1293.
  7. J Zwack et al. Resilienz im Arztberuf, verfügbar unter http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/09-08_Visitenkarte_2011.pdf; abgerufen am 02.10.2017.