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Vorhofflimmern: Symptome, Ursachen und Diagnose

Vorhofflimmern (VHF) gilt inzwischen als regelrechte Volkskrankheit. Die Herzrhythmusstörung ist nicht ungefährlich. Sie geht mit einem erhöhten Sterberisiko einher und ist eine häufige Ursache für Herzinsuffizienz und Schlaganfälle. Durch das anfallsartige, teilweise unbemerkte Auftreten von VHF ist die Diagnosestellung jedoch nicht immer einfach.

Vorhofflimmern (VHF; engl. atrial fibrillation, AF oder AFib) ist in Europa die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Jeder vierte Erwachsene mittleren Alters entwickelt irgendwann in seinem Leben diese Erkrankung. Bis zum Jahr 2030 werden Berechnungen zufolge in der Europäischen Union 14 bis 17 Millionen VHF-Patienten leben und pro Jahr 120.000 bis 215.000 Neuerkrankungen hinzukommen.1 Betroffen sind vor allem ältere Patienten.2

Das Risiko, an einem VHF zu erkranken, liegt bei

  • unter 50-Jährigen bei unter 1 %,
  • bei über 60-Jährigen bei 4 bis 6 % und
  • bei über 80-Jährigen bei 9 bis 16 %.2

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern zählt zu den supraventrikulären Tachyarrhythmien. Pathologische Mikro-Reentry-Mechanismen führen dabei zu einer ständigen, kreisenden Erregungsausbreitung in den Vorhöfen.3 Die charakteristische Frequenz des Vorhofflimmerns beträgt 350 bis 600 Schläge pro Minute. Normal ist eine Herzfrequenz von 60 bis 100 Schlägen pro Minute. Eine hämodynamisch wirksame Vorhofkontraktion findet bei VHF nicht mehr statt.3 Das Blut wird also nicht mehr effektiv in die Herzkammer gepumpt. Durch die Filterfunktion des Atrioventrikularknotens (AV-Knotens) wird nur ein kleiner Teil der Vorhoferregungen auf die Ventrikel übergeleitet. Das Schlagvolumen des Herzens nimmt dadurch um bis zu 20 % ab.3

In welche Phasen wird Vorhofflimmern eingeteilt?

VHF ist eine chronisch progrediente Erkrankung.1, 4 Man unterscheidet die folgenden fünf VHF-Typen:

  • die erste VHF-Episode,
  • das paroxysmale VHF, das innerhalb von 48 Stunden spontan endet,
  • das persistierende VHF, das länger als sieben Tage andauert oder durch therapeutische Intervention terminiert wird,
  • das lang anhaltend persistierende VHF, das mindestens ein Jahr angehalten hat, bevor die Entscheidung zu einer rhythmuserhaltenden Therapie getroffen wird, und
  • das permanente VHF, bei dem die Herzrhythmusstörung nicht wieder in einen Sinusrhythmus überführt werden kann und schließlich akzeptiert wird. Definitionsgemäß werden bei Patienten mit permanentem VHF somit keine rhythmuserhaltenden Maßnahmen mehr durchgeführt.1, 4

Wie äußert sich Vorhofflimmern?

Symptome treten besonders beim paroxysmalen Vorhofflimmern in Erscheinung. Die Patienten berichten von Herzklopfen, Herzstolpern, Palpitationen, Angstgefühlen oder Schwindel. Auch Synkopen und Dyspnoe können auftreten.2 Eine Klassifizierung der VHF-bedingten Symptome kann mithilfe der modifizierten Symptomskala der European Heart Rhythm Association (EHRA) erfolgen.1, 4

Tabelle 1: Modifizierte Symptomskala der European Heart Rhythm Assocication (EHRA-Score). Nach Kirchhof et al., 20164

Modifizierter EHRA score Symptome Beschreibung
I keine Das VHF verursacht keine Symptome.
IIa* leicht Die normale Alltagstätigkeit ist nicht beeinflusst.
IIb* mittelschwer Die normale Alltagstätigkeit ist nicht beeinflusst, jedoch fühlt sich der Patient durch die Symptome belastet.
III schwer Die normale Alltagstätigkeit ist beeinträchtigt.
IV behindernd Die Alltagstätigkeit kann nicht mehr wahrgenommen werden.

VHF = Vorhofflimmern, EHRA = European Heart Rhythm Association

* Die Klassen IIa und IIb können unterschieden werden, in dem evaluiert wird, ob die Patienten durch die VHF-bedingten Symptome funktionell eingeschränkt sind. VHF-bedingte Symptome sind sehr häufig Fatigue/Müdigkeit und Belastungsdyspnoe, weniger häufig sind Palpitationen und Brustschmerzen.

VHF = Vorhofflimmern, EHRA = European Heart Rhythm Association.

* Die Klassen IIa und IIb können unterschieden werden, indem evaluiert wird, ob die Patienten durch die VHF-bedingten Symptome funktionell eingeschränkt sind. VHF-bedingte Symptome sind sehr häufig Fatigue/Müdigkeit und Belastungsdyspnoe. Weniger häufig sind Palpitationen und Brustschmerzen.

Was sind die Ursachen für Vorhofflimmern?

Es gibt keine einheitliche Ursache für das Auftreten von VHF. Akut auslösende Ursachen des Vorhofflimmerns sind

  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • Herzoperationen,
  • Herzinfarkte,
  • Entzündungen des Herzmuskelgewebes,
  • Lungenembolien,
  • Lungenerkrankungen und
  • eine Überfunktion der Schilddrüse.2

Nachdem diese akut auslösenden Ursachen behoben sind, kann sich meist dauerhaft ein normaler Sinusrhythmus einstellen.2

Außerdem sind zahlreiche Risikofaktoren bekannt, die für das Entstehen von VHF und für den Übergang in die anhaltende Form verantwortlich sind.2 Folgende prädisponierende Faktoren gehören dazu:

  • Alter: Ab dem 50. Lebensjahr verdoppelt sich das individuelle VHF-Risiko mit jeder Dekade.2
  • Bluthochdruck wird bei mehr als der Hälfte der VHF-Patienten festgestellt.2
  • Herzinsuffizienz liegt bei rund 15 % der VHF-Patienten vor.
  • Koronare Herzkrankheit: Diese liegt bei etwa 20 % der VHF-Patienten vor. VHF ist mitunter das erste Zeichen dieser Erkrankung.2
  • Herzmuskel- und Herzklappenerkrankungen2
  • Übergewicht: Eine Erhöhung des Body-Mass-Index (BMI) um 5 kg/m2 erhöht das VHF-Risiko um bis zu 30 %. Dies ist unter anderem durch Fetteinlagerungen im Herzmuskel bedingt.2
  • Alkohol: Regelmäßig übermäßiger Alkoholkonsum kann den Herzmuskel schädigen und ein VHF auslösen.1
  • Chronische Lungenerkrankungen2 oder obstruktives Schlafapnoesyndrom: Nächtliche Sauerstoffuntersättigungen des Blutes sind eng mit dem Auftreten von VHF verbunden.2
  • Familiäre Prädisposition: Genetisch bedingt können veränderte elektrische Eigenschaften der Herzzellen vorliegen, die das Auftreten von VHF begünstigen.2
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)2

Wie wird Vorhofflimmern festgestellt?

Bei einem unregelmäßigen Puls besteht der Verdacht auf Vorhofflimmern. Zur Diagnose muss eine EKG-Aufzeichnung erfolgen.1, 4 Liegt ein VHF vor, sind im EKG fehlende P-Wellen, unregelmäßige RR-Intervalle und gegebenenfalls auch Flimmerwellen auffällig.1, 4 Da die Patienten sowohl symptomatische als auch asymptomatische VHF-Episoden haben, kann eine EKG-Langzeitüberwachung das Erkennen eines VHFs deutlich verbessern.1, 4

Schlaganfallrisiko steigt durch VHF

Bei einem VHF steigt das Risiko für arterielle Embolien stark an. 20 bis 30 % aller Schlaganfälle sind durch ein VHF bedingt.1, 4 Ein wesentlicher Bestandteil der VHF-Therapie ist daher eine an das individuelle Risiko des Patienten angepasste Thromboembolieprophylaxe. Die Abschätzung des Schlaganfallrisikos sollte bei VHF-Patienten anhand des CHA2DS2-VASc-Scores erfolgen.1, 4

Mehr zur Therapie erfahren Sie hier: Vorhofflimmern – was tun?

Quellen:

  1. ESC Pocket Guidelines, Management von Vorhofflimmern, Version 2016. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (Hrsg.) und European Society of Cardiology; online verfügbar unter: https://leitlinien.dgk.org/2017/pocket-leitlinie-management-von-vorhofflimmern-version-2016/.
  2. Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. Vorhofflimmern – Herz aus dem Takt (2018). Online verfügbar unter: https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/vorhofflimmern/broschuere-vorhofflimmern-herz-aus-dem-takt (abgerufen am 26.04.2020).
  3. Vorhofflimmern. Universitätsklinikum Jena. Online verfügbar unter: https://www.uniklinikum-jena.de/htchirurgie/Herzchirurgie/Vorhofflimmern.html (abgerufen am 23.04.2020).
  4. Kirchhof P, Benussi S, Kotecha D et al. 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS. Eur Heart J 2016; 37: 2893-2962. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27567408.

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