Wissenschaftliche Informationen rund um Vorhofflimmern

Vorhofflimmern: Was tun?

Vorhofflimmern: Was tun?

Schlaganfallprävention unter NOAKs

Schlaganfallprävention unter NOAKs

Vorhofflimmern und Schlaganfallprävention in Europa

Vorhofflimmern und Schlaganfallprävention in Europa

Vorhofflimmern (VHF; engl. atrial fibrillation, AF oder AFib) ist mit einer Prävalenz von etwa zwei Prozent die häufigste Herzrhythmusstörung in Europa.1 Betroffen sind vor allem ältere Patienten. Während Vorhofflimmern bei Patienten unter 50 Jahren sehr selten auftritt, leiden

  • circa 4 % der 60- bis 70-Jährigen und
  • 10 bis 17 % der ≥ 80-Jährigen

unter VHF.1 Schätzungen zufolge wird die Prävalenz des Vorhofflimmerns bis zum Jahr 2050 auf über drei Prozent steigen.2

Vorhofflimmern zählt zu den supraventrikulären Tachyarrhythmien. Pathologische Mikro-Reentry-Mechanismen führen zu einer ständigen, kreisenden Erregungsausbreitung in den Vorhöfen. Diese flimmern mit einer Frequenz von 350 bis 600 pro Minute. Eine hämodynamisch wirksame Vorhofkontraktion findet nicht mehr statt. Durch die Filterfunktion des AV-Knotens wird nur ein kleiner Teil der Vorhoferregungen auf die Ventrikel übergeleitet.3

Vorhofflimmern ist eine chronisch progrediente Erkrankung.4 Man unterscheidet

  • das paroxysmale VHF, das innerhalb von 48 Stunden spontan endet,4
  • das persistierende VHF, das länger als sieben Tage andauert oder durch therapeutische Intervention terminiert wird,4 und
  • das permanente VHF, bei dem die Herzrhythmusstörung nicht wieder in einen Sinusrhythmus überführt werden kann und schließlich akzeptiert wird.3, 4

Symptome treten besonders beim paroxysmalen Vorhofflimmern in Erscheinung. Die Patienten berichten von Herzklopfen, Palpitationen, Angstgefühl oder Schwindel. Auch Synkopen und Dyspnoe können auftreten.3 Eine Klassifizierung der VHF-bedingten Symptome kann mit der modifizierten Symptomskala der European Heart Rhythm Association (EHRA) erfolgen.

Tabelle 1: Modifizierte Symptomskala der European Heart Rhythm Assocication (EHRA-Score). Nach Kirchhof et al., 20165

Modifizierter EHRA score Symptome Beschreibung
I keine Das VHF verursacht keine Symptome.
IIa* gering Die normale Alltagstätigkeit ist nicht beeinflusst.
IIb* mäßig Die normale Alltagstätigkeit ist nicht beeinflusst, jedoch fühlt sich der Patient durch die Symptome belastet.
III schwer Die normale Alltagstätigkeit ist beeinträchtigt.
IV invalidisierend Die Alltagstätigkeit kann nicht mehr wahrgenommen werden.

VHF = Vorhofflimmern, EHRA = European Heart Rhythm Association

* Die Klassen IIa und IIb können unterschieden werden, in dem evaluiert wird, ob die Patienten durch die VHF-bedingten Symptome funktionell eingeschränkt sind. VHF-bedingte Symptome sind sehr häufig Fatigue/Müdigkeit und Belastungsdyspnoe, weniger häufig sind Palpitationen und Brustschmerzen.

Die Ursachen für Vorhofflimmern sind nicht vollständig geklärt. In circa 15 Prozent der Fälle ist das VHF idiopathisch, gelegentlich mit familiärer Disposition. Bei jüngeren Patienten sind Mitralvitien eine häufige Ursache. Des Weiteren gelten eine koronare Herzkrankheit, ein vorangegangener Myokardinfarkt, eine Herzinsuffizienz sowie eine arterielle Hypertonie, Hyperthyreose oder auch übermäßiger Alkoholkonsum als Risikofaktoren für Vorhofflimmern.3

Bei einem unregelmäßigen Puls besteht der Verdacht auf Vorhofflimmern. Zur Diagnose muss eine EKG-Aufzeichnung erfolgen. Liegt ein VHF vor, sind im EKG fehlende P-Wellen, unregelmäßige RR-Intervalle und gegebenenfalls Flimmerwellen auffällig.4

Bei Vorhofflimmern steigt das Risiko für arterielle Embolien stark an. VHF-Patienten haben ein fünffach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.2 Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie des Vorhofflimmerns umfasst daher eine an das individuelle Risiko des Patienten angepasste Thromboembolieprophylaxe.4

Mehr zur Therapie erfahren Sie hier: Vorhofflimmern – was tun?

Quellen:

  1. Zoni-Berisso M et al. Epidemiology of atrial fibrillation: European perspective. Clin Epidemiol 2014; 6: 213–220. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24966695
  2. Lichten C et al. The future of anticoagulation management in atrial fibrillation in Europe. An assessment of today’s challenges with recommendations for the future. Online verfügbar unter: http://www.rand.org/pubs/research_reports/RR1053.html
  3. Herold G. Innere Medizin. Gerd Herold, Köln; 2009.
  4. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. ESC Pocket Guidelines: Leitlinien für das Management von Vorhofflimmern, Stand 2012. http://leitlinien.dgk.org/files/Pocket_Leitlinien_Vorhofflimmern_Update2013.pdf
  5. Kirchhof P et al. 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS: The Task Force for the management of atrial fibrillation of the European Society of Cardiology (ESC)Developed with the special contribution of the European Heart Rhythm Association (EHRA) of the ESCEndorsed by the European Stroke Organisation (ESO). Eur Heart J 2016: 1609-1678. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27567408