Kann Sport Herzrhythmusstörungen lindern?

Auch bei älteren und übergewichtigen VHF-Patienten kann eine Steigerung der körperlichen Fitness das Wiederauftreten von Flimmerepisoden deutlich reduzieren.1 Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Patienten motivieren können, rund um das Jahr sportlich aktiv zu bleiben.

Während Leistungssportler und Athleten durch ihre andauernden Belastungen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern (VHF) haben2, ist der Nutzen von körperlicher Aktivität in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch zahlreiche große epidemiologische Studien klar belegt.3 Das Forscherteam um Dr. Rajeev Pathak von der Universität Adelaide konnte in seiner CARDIO-FIT-Studie zeigen, dass Patienten mit Rhythmusstörungen keine Ausnahme machen.1 308 übergewichtige Patienten mit symptomatischem paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern (VHF) und einem BMI (kg/m2) ≥ 27 wurden über einen Zeitraum von durchschnittlich vier Jahren beobachtet. Sie nahmen dabei an einem individuell zugeschnittenen Fitnessprogramm teil. Patienten, die zu Studienbeginn im Vorhofflimmern waren, wurden ausgeschlossen.

Die Autoren berichten folgende Ergebnisse:1

  • Bei mehr als zwei Dritteln der Patienten, die sich bereits zu Studienbeginn in einem Zustand guter kardiovaskulärer Fitness befanden, trat kein Vorhofflimmern mehr auf.*
  • Bei Patienten mit adäquatem beziehungsweise schlechtem Trainingszustand waren es dagegen nur 35 % beziehungsweise 12 %, die keine weitere Flimmerepisode mehr erlitten.
  • Patienten, die ihre Fitness im Laufe der Studie durch das angebotene Trainingsprogramm steigerten (gemessen in metabolischen Äquivalenten), senkten deutlich das Risiko für das Wiederauftreten von Vorhofflimmern.

*frei von Arrhythmien ohne Verwendung von Antiarrhythmika oder interventionelle Ablation

Hinsichtlich der Auswahl einer geeigneten Sportart gelten für Patienten mit Vorhofflimmern ähnliche Prinzipien wie bei anderen kardiovaskulären Erkrankungen. So ist ein mit mittlerer Intensität durchgeführtes aerobes Ausdauertraining, bei dem die Belastungsintensität individuell angepasst werden kann, besonders geeignet, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und einen positiven Einfluss auf kardiovaskuläre Risikofaktoren zu erzielen.3 Dabei sollten die individuellen Charakteristika des jeweiligen Patienten in die Beratung mit einfließen. Alter, Geschlecht und sportliche Vorerfahrung sollten Sie dabei genauso berücksichtigen wie Trainingsziele und Motivation.3 Denn nur, wenn der Patient am ausgewählten Sport auch Spaß hat, wird er ihn langfristig ausüben wollen.

Besonderheiten bei VHF-Patienten

Wie bei allen Herzpatienten ist zu Beginn des Trainings eine langsame Steigerung der Übungsintensität, die auf die individuelle Belastbarkeit des Patienten abgestimmt sein muss, wichtig.3 Bei VHF-Patienten ist dabei besonders zu beachten, dass bei VHF keine Proportionalität zwischen Leistung und Herzfrequenzanstieg besteht und somit die Herzfrequenz nicht zur Belastungskontrolle herangezogen werden kann. Stattdessen kann man aber die maximale Leistungsfähigkeit in Watt in regelmäßigen ergometrischen Untersuchungen feststellen.3 Da der Einsatz einer Pulsuhr bei VHF-Patienten keine validen Informationen bereit hält, ist eine für den Alltag praktikablere Maßnahme, der sportlichen Aktivität mit einem Partner oder in einer Gruppe nachzugehen und sich während des Sports zu unterhalten. Wenn dies möglich ist, ist die körperliche Belastung adäquat.4 Sportarten, die mit einem hohen Sturz- und Verletzungsrisiko einhergehen, wie beispielsweise Reiten oder schnelle Ballsportarten, sind für Patienten, die mit einem Gerinnungshemmer behandelt werden, ggf. nicht empfehlenswert.

Sportarten, die sich für Herzpatienten eignen, sind beispielsweise:3

  • Nordic Walking
  • Mäßiges Wandern
  • Schwimmen
  • Radfahren

Und auch in der kalten Jahreszeit gibt es ausreichend Möglichkeiten, sportlich aktiv zu bleiben. Dazu bieten sich Langlaufen und Schneewanderungen an. Für Patienten, die gerne Rad fahren, ist für die Wintermonate möglicherweise die Anschaffung eines Ergometers eine Option.

Eine sinnvolle Ergänzung des aeroben Ausdauertrainings sind Übungen zur Verbesserung der Flexibilität und Koordination. Besonders ältere, sturzgefährdete Patienten können hiervon profitieren.3

Quellen:

  1. Pathak RK, Elliott A, Middeldorp ME et al. Impact of CARDIOrespiratory FITness on Arrhythmia Recurrence in Obese Individuals With Atrial Fibrillation: The CARDIO-FIT Study. J Am Coll Cardiol 2015; 66: 985-996
  2. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. ESC Pocket Guidelines: Management von Vorhofflimmern, Version 2016.
  3. Bjarnason-Wehrens B, Schulz O, Gielen S et al. Leitlinie körperliche Aktivität zur Sekundärprävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Clin Res Cardiol 2009: Suppl. 3: 1-44
  4. Edel K. Edel K. Ist Sport bei Vorhofflimmern möglich? Die Gerinnung 2014; 53: 9-12.

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