03.02.2018

Cochrane-Analyse bestätigt Sicherheitsvorteil von NOAKs bei Thromboembolien

Eine Cochrane-Metaanalyse hat die wichtigsten kontrollierten Studien mit insgesamt fast 30.000 Patienten zum Thema „NOAKs bei tiefer Venenthrombose“ ausgewertet.1 Die wichtigsten Ergebnisse dieser Analyse können Sie hier nachlesen.

Frau zieht sich Thrombosestrümpfe über

© tibanna79 / Fotolia

Tiefe Venenthrombosen (TVT) sind mit einer Inzidenz von etwa 1 zu 1.000 häufig. Sie können schwerwiegende Komplikationen wie beispielsweise eine Lungenembolie (LE) zur Folge haben. Nicht-VKA orale Antikoagulanzien (NOAKs) stellen seit einigen Jahren eine wichtige Therapieoption bei der Behandlung der TVT dar. Eine Metaanalyse des Wissenschaftlernetzwerkes „Cochrane Collaboration“ bestätigt die vergleichbare Wirksamkeit und überlegene Sicherheit von NOAKs in dieser Indikation.1

Quellen:

  1. Robertson L et al. Oral direct thrombin inhibitors or oral factor Xa inhibitors for the treatment of deep vein thrombosis. Cochrane Database Syst Rev 2015: Cd010956. Online verfügbar unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26123214.
  2. S2-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. Deutsche Gesellschaft für Angiologie und Gefäßmedizin. Stand Oktober 2015. Online verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-002l_S2k_VTE_2016-01.pdf.

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Metaanalyse mit Daten von knapp 30.000 Patienten

Diese Auswertung umfasste elf randomisierte und kontrollierte Studien mit insgesamt 27.945 Patienten, die orale Faktor-Xa-Antagonisten oder orale Thrombininhibitoren im Vergleich zu einer Standardtherapie testeten.1

Folgende Wirkstoffe wurden in die Auswertung einbezogen:1

  • Faktor-Xa-Inhibitoren: Edoxaban, Rivaroxaban, Apixaban
  • Direkte Thrombininhibitoren: Dabigatran und Ximelagatran (trotz Marktrücknahme im Jahr 2006)

Acht Studien untersuchten orale Faktor-Xa-Inhibitoren (AMPLIFY; Botticelli DVT; Einstein-DVTdose; Einstein-DVT; Einstein-PE; Hokusai-VTEODIXa-DVT; Piazza 2014). Die Kontrollgruppen erhielten in allen acht Studien eine initiale Therapie mit Enoxaparin, gefolgt von Vitamin-K-Antagonisten (VKAs).1

Drei der ausgewählten Studien befassten sich mit Thrombininhibitoren (RE-COVER; RE-COVER II; THRIVE I). Die Kontrollgruppen erhielten jeweils initial niedermolekulares Heparin, gefolgt von Warfarin als Erhaltungstherapie.1

Die primären Endpunkte der Cochrane-Analyse waren1

  • rezidivierende venöse Thromboembolie (VTE) und
  • das Auftreten einer tödlichen/nichttödlichen Lungenembolie.

Die sekundären Endpunkte umfassten unter anderem1

  • die Gesamtmortalität und
  • schwere Blutungen (nach der Definition der International Society on Thrombosis and Haemostasis, ISTH).

Erwiesene Wirksamkeit im Vergleich zur Standardtherapie

Sowohl die Faktor-Xa-Inhibitoren als auch die Thrombininhibitoren erwiesen sich als ähnlich wirksam wie die Standardtherapie.1

Die Auswertung der Daten von insgesamt 16.356 Patienten, die mit oralen Faktor-Xa-Inhibitoren beziehungsweise der Standardtherapie behandelt wurden, lieferte folgende Ergebnisse:1

  • VTE-Rezidive traten mit einer ähnlichen Rate auf (Faktor-Xa-Inhibitoren: 2,6 %; Standardtherapie: 2,92 %; OR 0,89; 95-%-KI: 0,73–1,07).
  • TVT-Rezidive traten sogar etwas seltener auf (1,19 % vs. 1,54 %; OR 0,75; 95-%-KI 0,57–0,98).

Die Analyse der Daten von insgesamt 7.596 Patienten, die entweder einen direkten Thrombininhibitor oder eine Standardtherapie erhielten, belegte ebenfalls eine ähnliche Wirksamkeit der Therapiestrategien:1

  • Rate an VTE-Rezidiven: Thrombininhibitoren 2,26 %, Vergleichstherapie: 2,08 %; OR 1,09; 95-%-KI: 0,80–1,49
  • Rate an TVT-Rezidiven: Thrombininhibitoren 1,48 %, Vergleichstherapie: 1,37 %; OR 1,08; 95-%-KI: 0,74–1,58

Die Raten von tödlichen und nichttödlichen LEs waren sowohl unter Faktor-Xa-Inhibitoren als auch unter direkten Thrombininhibitoren ähnlich wie bei der Standardtherapie.1

Sicherheitsvorteil für die NOAKs

Die Gesamtmortalität unterschied sich zwischen NOAKs und der Standardtherapie nicht und war in allen Gruppen sehr gering.1

Ein deutlicher Vorteil für die NOAKs im Vergleich zur Therapie mit Heparin und VKAs zeichnete sich jedoch beim Auftreten schwerer Blutungen ab.1

  • Unter Faktor-Xa-Inhibitoren traten schwere Blutungen signifikant seltener auf als unter der Vergleichstherapie (0,92 % vs. 1,57 %; OR 0,57; 95-%-KI 0,43–0,76). Lag die Therapiedauer bei über drei Monaten, zeigte sich die geringere Blutungsrate unter Faktor-Xa-Inhibitoren besonders deutlich (OR 0,50; 95-%-KI 0,36–0,71).1
  • Auch unter den direkten Thrombininhibitoren war die Rate schwerer Blutungen signifikant reduziert (1,29 % versus 1,89 %; OR 0,68; 95-%-KI 0,47–0,98).1

NOAKs in der Langzeittherapie der TVT?

Die einfache Anwendbarkeit der NOAKs in Verbindung mit der reduzierten Rate an schweren Blutungen könnte die Möglichkeit eröffnen, Patienten, bei denen das Rezidivrisiko bei Beendigung der Antikoagulation nicht abgeschätzt werden kann, über einen längeren Zeitraum zu behandeln, so das Fazit der Autoren.1

Auch in den Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der TVT werden NOAKs als Therapieoption für die Akut- und Erhaltungstherapie empfohlen. Die zuletzt im Januar 2016 aktualisierte Fassung der AWMF-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie“2 können Sie hier herunterladen:

Setzen Sie NOAKs in der Therapie der TVT und LE ein?

Quellen:

  1. Robertson L et al. Oral direct thrombin inhibitors or oral factor Xa inhibitors for the treatment of deep vein thrombosis. Cochrane Database Syst Rev 2015: Cd010956. Online verfügbar unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26123214.
  2. S2-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. Deutsche Gesellschaft für Angiologie und Gefäßmedizin. Stand Oktober 2015. Online verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-002l_S2k_VTE_2016-01.pdf.