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Schlaganfallprävention – was wir in Zukunft besser machen könnten

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung in Europa hat sich die absolute Zahl von Schlaganfällen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich erhöht.1 Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die mit dieser Entwicklung verbundenen Herausforderungen am besten zu bewältigen?

Der Schlaganfall ist deutschland- und weltweit die zweithäufigste Todesursache und eine der Hauptursachen von Behinderungen im Erwachsenenalter.1 Vorhofflimmern (VHF) ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für ischämische zerebrovaskuläre Ereignisse. Es geht mit einem 1,5- bis 2-fach erhöhten Mortalitätsrisiko einher und ist für etwa 20 bis 30 % aller Hirninfarkte verantwortlich.1

Fünf Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von VHF-Patienten

Daher stellen sich folgende Fragen: Wie kann die Versorgung von VHF-Patienten verbessert werden? Und wie könnte die Belastung durch VHF-assoziierte Schlaganfälle sowohl für die einzelnen Patienten als auch für die Gesellschaft in Zukunft verringert werden?

Die aktuelle S3-Leitlinie „Schlaganfall“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. (DEGAM)1 sowie die Leitlinie zum VHF-Management von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Vereinigung für Herz-Thorax-Chirurgie (European Association of Cardio-Thoracic Surgery, EACTS)2 geben hierzu folgende Anregungen:

1. Risikopatienten besser informieren

Die Autoren der aktuellen S3-Leitlinie „Schlaganfall“ betonen, dass trotz zahlreicher Aufklärungsaktionen das Wissen um den Schlaganfall als Notfall in der Bevölkerung noch nicht überall angekommen ist. Viele Laien tragen eine Reihe von Wissensdefiziten in Bezug auf Schlaganfallrisikofaktoren, -prävention und -warnzeichen.1 Die Hausärzte sollten daher aufgrund ihrer lokalen Vernetzung und ihrer Rolle als Vertrauensperson Verantwortung übernehmen und in Fragen der Prävention und der Gesundheitserziehung tätig werden: Personen mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko (z. B: aufgrund von Hypertonie, Rauchen oder eines bereits stattgehabten kardiovaskulären Ereignisses) sollten über Schlaganfallsymptome (z. B. anhand des FAST-Tests), Warnzeichen und erforderliche Maßnahmen (z. B. Rufen des Rettungsdienstes über die 112) aufgeklärt werden.1

Weitere Informationen sind auch über die DEGAM-S3-Leitlinie „Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention“ verfügbar.

2. Edukation des medizinischen Personals verbessern

Medizinische Qualitätsmanagementsysteme empfehlen die mindestens einmal jährliche Durchführung von Notfallseminaren – idealerweise als In-House-Training des gesamten Praxisteams. Geschult werden soll unter anderem die Früherkennung von Schlaganfallsymptomen: Schon am Telefon sollen typische Notfälle identifiziert und deren optimale Versorgung eingeleitet werden.1

Auch die Schulung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal sollte nicht vernachlässigt werden. Speziell auf das VHF-Management bezogene Untersuchungen zeigen, dass gut geschulte Ärzte fundiertere Entscheidungen treffen und leitlinienkonform behandeln.

3. Therapieadhärenz fördern

Die Einbindung des Patientenwunsches in den Therapieprozess und die Einbeziehung von Familienangehörigen und Betreuern sind wesentliche Bestandteile des Behandlungserfolgs.2 Um die Therapieadhärenz zu fördern, ist es zudem unerlässlich, dass der Patient angemessen über die Behandlungsoptionen aufgeklärt wird. Er sollte überdies wissen, welche Konsequenzen eine fehlerhafte Medikamenteneinnahme möglicherweise zur Folge haben kann und dass Noncompliance unter Antikoagulation das Schlaganfallrisiko beträchtlich erhöht.2

4. Engere Zusammenarbeit zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärversorgung

Die aktuelle ESC-Leitlinie zum VHF-Management wirbt mit ihrem ABC-Konzept für einen ganzheitlichen, multidisziplinären und zugleich übersichtlichen Therapieansatz.2 Viele VHF-Patienten weisen Begleiterkrankungen auf. Daher ist es wichtig, das VHF nicht isoliert zu behandeln.2 Auch die S3-Leitlinie „Schlaganfall“ weist darauf hin, dass Schlaganfallpatienten zwar im Bereich von Stroke Units und Rehabilitationseinrichtungen optimal durch multidisziplinäre Teams versorgt werden, in der ambulanten Versorgung sei die enge interprofessionelle Zusammenarbeit und Kommunikation jedoch häufig noch verbesserungswürdig.1 Hier fehle es oft an den strukturellen, finanziellen und zeitlichen Rahmenbedingungen. So sei eine zielorientierte Kommunikation derzeit nur ansatzweise möglich – etwa über Arztberichte oder Telefonate mit anderen Professionen.

5. Neue Technologien zur Verbesserung der Patientenversorgung

Derzeit werden digitale Devices und Verfahren entwickelt, die zur Diagnostik und Therapie des VHF eingesetzt werden können. So können zum Beispiel die sogenannten Clinical-Decision-Support-Systeme Ärzten dabei helfen, die richtigen Untersuchungen und Therapien anzuordnen. Diese Systeme beruhen auf künstlicher Intelligenz und stellen evidenzbasierte Leitlinien, klinische Pfade und Algorithmen direkt zum Zeitpunkt des Arzt-Patienten-Kontaktes beziehungsweise zum Zeitpunkt der Behandlungsentscheidung in digitaler Form zur Verfügung.2

Des Weiteren kann sowohl die Patientenschulung als auch die Kommunikation zwischen Patienten und medizinischen Fachkräften über spezielle Apps verbessert werden und somit die aktive Beteiligung der Patienten gefördert werden.2

  1. S3-Leitlinie: Schlaganfall. AWMF-Register-Nr. 053-011, DEGAM-Leitlinie Nr. 8. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. (DEGAM) (2020). Online verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-011l_S3_Schlaganfall_2020-11.pdf (abgerufen am 14.02.2021).
  2. Hindricks G, Potpara T, Dagres N et al. 2020 ESC Guidelines for the diagnosis and management of atrial fibrillation developed in collaboration with the European Association of Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). Eur Heart J 2020: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32860505/.

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