04.01.2016

Was wir in Zukunft besser machen könnten

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung in Europa ist absehbar, dass die Prävalenz von Vorhofflimmern (VHF) und von VHF-assoziierten Schlaganfällen in den kommenden Jahren erheblich ansteigen wird. Maßnahmen, wie die mit dieser Entwicklung verbundenen Herausfor­derungen am besten bewältigt werden könnten, hat jetzt ein internationales Expertenteam konzipiert.

Ärztin hält Herz in Händen

© lenets_tan / Fotolia

Ein europäisches Expertengremium aus Klinik und Forschung hat konkrete Empfehlungen zur Verbes­serung der Versorgung von VHF-Patienten formuliert und kürzlich veröffentlicht.1 Diese Vorschläge basieren auf einer umfassenden Analyse, die das Expertenkomitee in Koope­ration mit der Forschungsorganisation RAND Europe2 zur Situation von VHF-Patienten durchführte. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei die Themen Schlaganfallpräven­tion und Einsatz von oralen Antikoagulanzien. Die Forschungen konzentrierten sich auf die Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Vereinigtes Königreich (UK).

7 Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von VHF-Patienten

Wie könnte die Belastung durch VHF-assoziierte Schlaganfälle für die einzelnen Patienten, aber auch für die Gesellschaft, in Zukunft verringert werden? Das Experten­komitee schlägt hierzu sieben Maßnahmen vor:

1. Öffentlichkeit und Entscheidungsträger besser über VHF informieren

Das Wissen („Awareness“) über Vorhofflimmern ist derzeit sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Entscheidungsträgern eher gering. Daher sollte insbesondere vermittelt werden, dass VHF das Schlaganfallrisiko erhöht und dass wirksame Maßnahmen zur Prävention VHF-assoziierter Schlaganfälle zur Verfügung stehen, raten die Fachleute. Durch eine bessere Awareness könne VHF früher erkannt und behandelt werden. Dadurch könne man Schlaganfälle und Todesfälle verhindern.1

2. Edukation zum Thema VHF-Management verbessern – sowohl bei medizinischem Personal als auch bei Patienten

Wie die Forscher ausführen, kann eine bessere Schulung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal dazu führen, dass Entscheidungen bezüglich des VHF-Managements fundierter getroffen werden und dass leitlinienkonform behandelt wird. Gut geschulte Patienten zeigten zudem möglicherweise eine bessere Therapieadhärenz, was die Behandlungsergebnisse verbessern dürfte. Die Autoren weisen darauf hin, dass Noncompliance unter Antikoagulation das Schlaganfallrisiko beträchtlich erhöht.1

3. VHF-Forschung auf allen Ebenen des Gesundheitswesens fördern

Ein ganzheitlicher Ansatz mit Beteiligung von Einrichtungen der Primär-, Sekundär- und Tertiärversorgung sowie von Entscheidungsträgern könne zu einem weiteren Fortschritt des VHF-Managements beitragen, meinen die Experten. Sie sehen allerdings einen weiteren Forschungsbedarf, um die Auswirkungen von Interventionen zur Edukation und weiterer Aspekte VHF-bezogener Gesundheitsleistungen zu überwachen. Die Beteiligung von Zentren der Tertiärversorgung sei besonders wichtig, um Fortschritte in den Bereichen Forschung und Technologie zu erzielen.1

4. Einplanen, dass sich Investitionen längerfristig auszahlen dürften

Es wird empfohlen, dass bei Ausgaben zur Verbesserung der VHF-Awareness, der Edukation sowie der Betreuung und des Managements längerfristig geplant wird, um bessere Gesundheitsoutcomes zu erreichen. Wenn im Gesundheitssystem Entscheidun­gen zum VHF-Management getroffen würden, sollte auch die aktuelle Evidenzlage hin­sichtlich der Effektivität verschiedener Therapiemöglichkeiten und anderer Management­interventionen berücksichtigt werden. Nur so lasse sich das Management VHF-assoziierter Schlaganfälle verbessern.

Getrennte Budgets innerhalb von Gesundheitssystemen könnten außerdem die Konsis­tenz von Entscheidungen auf den verschiedenen Ebenen des Systems erschweren, meinen die Fachleute. Beispielsweise könnten unmittelbare Kosten die Therapieentschei­dung stärker beeinflussen als Vorteile, die erst auf längere Sicht deutlich würden und zu Kosteneinsparungen führten. Einen besonders hohen Bedarf sehen die Autoren in den Bereichen Prävention, Früherkennung und ganzheitliche Ansätze.1

5. Patientenstratifizierung und personalisierte Betreuung fördern

Für ein angemessenes VHF-Management sollten Faktoren wie Komorbiditäten und Präferenzen sowie die soziale Situation des einzelnen Patienten berücksichtigt werden. Eine bessere Patientenstratifizierung – basierend auf Biomarkern, genetischen Untersuchungen und kardialer Bildgebung – könne zu einer individualisierteren Betreuung beitragen, die wiederum zu einer effektiveren Behandlung des VHF führen können.

6. Engere Zusammenarbeit zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärversorgung

Viele VHF-Patienten weisen Begleiterkrankungen auf. Daher ist es wichtig, so die Experten, eine kontinuierliche Betreuung für VHF-Patienten zu unterstützen und das VHF nicht isoliert zu behandeln. So könnten außer Haus- und Fachärzten auch weitere Berufs­gruppen zu verschiedenen Aspekten des VHF-Managements beitragen. Die Autoren nennen hier insbesondere das Personal in Apotheken und Pflegeeinrichtungen sowie Betreuer der Patienten und spezialisierte Krankenschwestern. Es wird nahegelegt, die Interaktion sowie den Wissensaustausch unter allen, die an der Patientenbetreuung beteiligt sind, zu fördern.

7. Neue Devices und Daten zur Verbesserung des VHF-Managements nutzen

Derzeit werden digitale Devices und Verfahren entwickelt, die zur Diagnostik und Therapie des VHF eingesetzt werden können. Software- und Data-Sharing könne die Zusammen­arbeit von Ärzten erleichtern, die Entscheidungsfindung unterstützen und zur Identifizie­rung von Hochrisikopatienten, die auf VHF gescreent werden sollten, beitragen, schreiben die Autoren. Umfangreiche Datensätze seien für die Forschung hilfreich, vor allem hin­sichtlich der Patientenstratifizierung. Dies könne die Patientenbetreuung verbessern.

Quellen:

  1. Lichten C et al.: The future of anticoagulation management in atrial fibrillation in Europe.

    An assessment of today’s challenges with recommendations for the future. Online verfügbar unter: www.rand.org/pubs/research

  2. www.randeurope.org