Neue Forschungsergebnisse zu Lebensstilinterventionen bei Vorhofflimmern

In Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern.1 Vor allem im höheren Lebensalter (> 65 Jahre) und in Kombination mit koronarer Herzerkrankung, Hypertonie, Diabetes oder Adipositas steigt das Schlaganfallrisiko der Patienten. Durch eine konsequente Antikoagulation lässt sich die Apoplexgefahr deutlich verringern. Inwiefern Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, bessere körperliche Fitness und Aufgeben des Rauchens die Therapie unterstützen können, wurde in mehreren aktuellen Studien untersucht.

Abnehmen lohnt sich immer – auch bei symptomatischem Vorhofflimmern

Übergewicht trägt bekanntlich auf unterschiedliche Weise zur Entstehung von Herz­rhythmusstörungen bei: Es erhöht den Blutdruck, fördert Entzündungsreaktionen und vergrößert den Vorhof. Erwartungsgemäß bringt eine Gewichtsabnahme viele positive Effekte. So konnten in einer Studie sowohl die akuten Beschwerden und die Anzahl der Flimmerepisoden im EKG als auch die Größe des linken Vorhofs und die Dicke der linken Hinterwand deutlich reduziert werden.2 In einer anderen Untersuchung wurden Patienten mit nicht permanentem Vorhofflimmern – zusätzlich zur üblichen Behandlung – jeweils einer Gruppe mit oder ohne Gewichtsmanagement zugeteilt. Von den Patienten, die ihr Körpergewicht um mehr als 10 % reduzierten, war nach 5 Jahren fast die Hälfte (46 %) frei von Vorhofflimmern. In der Gruppe mit einem Gewichtsverlust zwischen 3 und 10 % traf dies immerhin noch für 22 % zu, in der Kontrollgruppe lediglich für 13 % – ein deutlicher Beleg für den Nutzen einer nachhaltigen Gewichtsreduktion.3

Körperliche Fitness hält Sinusrhythmus im Takt

Dass körperliche Fitness vor kardiovaskulären Erkrankungen schützt, ist bekannt. Weit weniger klar war bislang, ob sich bei nicht-permanentem Vorhofflimmern durch regel­mäßigen Sport die Flimmerepisoden beeinflussen lassen. Eine aktuelle Studie mit übergewichtigen Patienten mit Vorhofflimmern hat dies eindrucksvoll belegt. 61 % der Patienten, die ihre Fitness konsequent steigerten, waren bei der Nachuntersuchung beschwerdefrei und besaßen einen durchgehenden Sinusrhythmus im 7-Tage-EKG. Besonders gut schnitten diejenigen Patienten ab, die nicht nur ihre Fitness verbessern, sondern auch ihr Körpergewicht um mehr als 10 % senken konnten.4

Entwarnung für Kaffee und schwarzen Tee

Koffein kann die Herzfrequenz steigern. Daher stehen Kaffee und schwarzer Tee immer wieder im Verdacht, Herzrhythmusstörungen hervorzurufen. Wissenschaftliche Unter­suchungen konnten dies bisher aber nicht belegen.6 Eine Metaanalyse lieferte sogar Hinweise auf eine protektive Wirkung des Koffeins.7 Auch wenn diese auf prospektiven Beobachtungsstudien, nicht jedoch auf prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studien beruhen: Moderate Kaffee- und Teetrinker müssen nicht befürchten, dass ihr Herz wegen des Koffeins aus dem Rhythmus gerät.