19.02.2016

Neue Forschungsergebnisse zu Lebensstilinterventionen bei Vorhofflimmern

In Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen an Vorhofflimmern.1 Vor allem im höheren Lebensalter (> 65 Jahre) und in Kombination mit koronarer Herzerkrankung, Hypertonie, Diabetes oder Adipositas steigt das Schlaganfallrisiko der Patienten. Durch eine konsequente Antikoagulation lässt sich die Apoplexgefahr deutlich verringern. Inwiefern Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, bessere körperliche Fitness und Aufgeben des Rauchens die Therapie unterstützen können, wurde in mehreren aktuellen Studien untersucht.

Herzrhythmusstörung EKG

© shidlovski / Fotolia

Abnehmen lohnt sich immer – auch bei symptomatischem Vorhofflimmern

Übergewicht trägt bekanntlich auf unterschiedliche Weise zur Entstehung von Herz­rhythmusstörungen bei: Es erhöht den Blutdruck, fördert Entzündungsreaktionen und vergrößert den Vorhof. Erwartungsgemäß bringt eine Gewichtsabnahme viele positive Effekte. So konnten in einer Studie sowohl die akuten Beschwerden und die Anzahl der Flimmerepisoden im EKG als auch die Größe des linken Vorhofs und die Dicke der linken Hinterwand deutlich reduziert werden.2 In einer anderen Untersuchung wurden Patienten mit nicht permanentem Vorhofflimmern – zusätzlich zur üblichen Behandlung – jeweils einer Gruppe mit oder ohne Gewichtsmanagement zugeteilt. Von den Patienten, die ihr Körpergewicht um mehr als 10 % reduzierten, war nach 5 Jahren fast die Hälfte (46 %) frei von Vorhofflimmern. In der Gruppe mit einem Gewichtsverlust zwischen 3 und 10 % traf dies immerhin noch für 22 % zu, in der Kontrollgruppe lediglich für 13 % – ein deutlicher Beleg für den Nutzen einer nachhaltigen Gewichtsreduktion.3

Körperliche Fitness hält Sinusrhythmus im Takt

Dass körperliche Fitness vor kardiovaskulären Erkrankungen schützt, ist bekannt. Weit weniger klar war bislang, ob sich bei nicht-permanentem Vorhofflimmern durch regel­mäßigen Sport die Flimmerepisoden beeinflussen lassen. Eine aktuelle Studie mit übergewichtigen Patienten mit Vorhofflimmern hat dies eindrucksvoll belegt. 61 % der Patienten, die ihre Fitness konsequent steigerten, waren bei der Nachuntersuchung beschwerdefrei und besaßen einen durchgehenden Sinusrhythmus im 7-Tage-EKG. Besonders gut schnitten diejenigen Patienten ab, die nicht nur ihre Fitness verbessern, sondern auch ihr Körpergewicht um mehr als 10 % senken konnten.4

Entwarnung für Kaffee und schwarzen Tee

Koffein kann die Herzfrequenz steigern. Daher stehen Kaffee und schwarzer Tee immer wieder im Verdacht, Herzrhythmusstörungen hervorzurufen. Wissenschaftliche Unter­suchungen konnten dies bisher aber nicht belegen.6 Eine Metaanalyse lieferte sogar Hinweise auf eine protektive Wirkung des Koffeins.7 Auch wenn diese auf prospektiven Beobachtungsstudien, nicht jedoch auf prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studien beruhen: Moderate Kaffee- und Teetrinker müssen nicht befürchten, dass ihr Herz wegen des Koffeins aus dem Rhythmus gerät.

Quellen:

  1. Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.: Vorhofflimmern früher erkennen – Schlaganfälle besser verhindern. 23.11.2015. www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
  2. Abed HS, Wittert GA, Leong DP et al. Effect of weight reduction and cardiometabolic risk factor management on symptom burden and severity in patients with atrial fibrillation: a randomized clinical trial. JAMA 310 (19): 2050-2060, 2013
  3. Pathak RK, Middeldorp ME, Meredith M et al. Long-Term Effect of Goal-Directed Weight Management in an Atrial Fibrillation Cohort: A Long-Term Follow-Up Study (LEGACY). J Am Coll Cardiol 65 (20): 2159-2169, 2015
  4. Pathak RK, Elliott A, Middeldorp ME et al. Impact of CARDIOrespiratory FITness on Arrhythmia Recurrence in Obese Individuals With Atrial Fibrillation: The CARDIO-FIT Study. J Am Coll Cardiol 66 (9): 985-996, 2015
  5. Pathak RK, Middeldorp ME, Lau DH et al. Aggressive risk factor reduction study for atrial fibrillation and implications for the outcome of ablation: the ARREST-AF cohort study. J Am Coll Cardiol 64 (21): 2222-2231, 2014
  6. Caldeira D, Martins C, Alves LB et al. Caffeine does not increase the risk of atrial fibrillation: a systematic review and meta-analysis of observational studies. Heart 99 (19): 1383-9, 2013
  7. Cheng M, Hu Z, Lu X et al. Caffeine intake and atrial fibrillation incidence: dose response meta-analysis of prospective cohort studies. Can J Cardiol 30 (4): 448-454, 2014

INFORMATION FÜR FACHKRÄFTE

[DocCheckStop]

Beseitigung von Risikofaktoren sichert Ablations-Erfolg

Adipositas und wenig körperliche Bewegung sind nur zwei Faktoren eines ganzen Komplexes kardiovaskulärer Risiken. Durch die gezielte Behandlung aller Risikofaktoren – meist durch die Kombination medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapien – kann beispielsweise der Erfolg einer Ablation nachhaltig verbessert werden, wie eine Studie zeigte5: Ein Drittel der Patienten blieb frei von Rhythmusstörungen (vs. 9,7 % in der Kontrollgruppe). Die Therapie in der Studie umfasste hierbei Maßnahmen wie:

  • Programm zur Gewichtsreduktion
  • Einstellung des Blutdrucks (Zielwert 130 / 80 mmHg)
  • Normalisierung der Lipidwerte
  • HbA1c einstellen (≤ 6,5 %)
  • Schlafapnoe behandeln
  • Hilfe zur Rauchentwöhnung
  • Alkoholkonsum reduzieren (maximal 30 g pro Woche)

Patienten, die mehrere Ablationen benötigten, profitierten in dieser Studie noch deutlicher vom Risikofaktoren-Management. Hier blieben 87 % ohne Rhythmusstörungen, in der Kontrollgruppe nur 18 %.5

Fazit:

Zur Vermeidung von Rhythmusstörungen ist eine gezielte und konsequente Behandlung der Risikofaktoren Bluthochdruck, erhöhte Lipid- und HbA1c-Werte sowie Schlafapnoe essenziell. Darüber hinaus belegen aktuelle Studien erneut die positiven Effekte einer Gewichtsreduktion, Rauchentwöhnung, eines reduzierten Alkoholkonsums und einer besseren körperlichen Fitness.

Eine Patienteninformation mit Tipps für einen gesunden Lebensstil können Sie hier downloaden.

Eine Infobroschüre zum Qualitätsmanagement in der Praxis können Sie bei der KBV herunterladen:

Quellen:

  1. Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.: Vorhofflimmern früher erkennen – Schlaganfälle besser verhindern. 23.11.2015. www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
  2. Abed HS, Wittert GA, Leong DP et al. Effect of weight reduction and cardiometabolic risk factor management on symptom burden and severity in patients with atrial fibrillation: a randomized clinical trial. JAMA 310 (19): 2050-2060, 2013
  3. Pathak RK, Middeldorp ME, Meredith M et al. Long-Term Effect of Goal-Directed Weight Management in an Atrial Fibrillation Cohort: A Long-Term Follow-Up Study (LEGACY). J Am Coll Cardiol 65 (20): 2159-2169, 2015
  4. Pathak RK, Elliott A, Middeldorp ME et al. Impact of CARDIOrespiratory FITness on Arrhythmia Recurrence in Obese Individuals With Atrial Fibrillation: The CARDIO-FIT Study. J Am Coll Cardiol 66 (9): 985-996, 2015
  5. Pathak RK, Middeldorp ME, Lau DH et al. Aggressive risk factor reduction study for atrial fibrillation and implications for the outcome of ablation: the ARREST-AF cohort study. J Am Coll Cardiol 64 (21): 2222-2231, 2014
  6. Caldeira D, Martins C, Alves LB et al. Caffeine does not increase the risk of atrial fibrillation: a systematic review and meta-analysis of observational studies. Heart 99 (19): 1383-9, 2013
  7. Cheng M, Hu Z, Lu X et al. Caffeine intake and atrial fibrillation incidence: dose response meta-analysis of prospective cohort studies. Can J Cardiol 30 (4): 448-454, 2014