Nach ischämischem Schlaganfall: Unbedingt nach Vorhofflimmern suchen

Nach ischämischem Schlaganfall: Unbedingt nach Vorhofflimmern suchen

Schlaganfälle sind oft durch Vorhofflimmern bedingt. Dies tritt bei vielen Patienten aber nur intermittierend auf. Ein Positionspapier hilft bei der Beantwortung der Frage, wie lange man bei welchen Schlaganfallpatienten ohne eine vorbekannte Rhythmusstörung nach einem VHF fahnden sollte.1

Rund 260.000 Schlaganfälle werden in Deutschland pro Jahr registriert. Etwa 15 bis 20 % davon werden durch Vorhofflimmern (VHF) bedingt. Schlaganfallpatienten mit VHF weisen ein relativ hohes Risiko für einen erneuten Schlaganfall auf und sie haben aufgrund einer erhöhten Sterblichkeit eine schlechtere Prognose als Schlaganfallpatienten ohne VHF. Daher spielt die Sekundärprävention eines Schlaganfalls bei ihnen eine besonders wichtige Rolle. VHF kommt aber bei vielen Betroffenen nur intermittierend vor und verläuft oft asymptomatisch.1

Bei VHF-Nachweis: OAK zur Sekundärprävention eines Schlaganfalls einleiten

Die Detektion eines VHFs nach einem ischämischen Schlaganfall ist vor allem aus folgenden Gründen wichtig:1,2

  • Schlaganfallpatienten mit (unentdecktem) VHF haben unbehandelt ein relativ hohes Risiko für einen ischämischen Rezidivinsult.
  • Findet man in der Akutphase des Schlaganfalls ein VHF, lässt es sich bei den meisten Betroffenen auch im weiteren Verlauf nachweisen.
  • Für die medikamentöse Schlaganfallprävention ist der Nachweis eines VHFs bedeutsam, da VHF-Patienten den aktuellen Leitlinien entsprechend eine orale Antikoagulation (OAK) erhalten sollten, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Schlaganfallpatienten ohne bekanntes VHF erhalten dagegen in der Regel eine Thrombozytenaggregationshemmung.2
  • Eine bei Auftreten eines ischämischen Schlaganfalls therapeutisch wirksame orale Antikoagulation geht mit einer Reduktion des Schlaganfallschweregrads einher.

EKG-Monitoring: Empfehlungen zur Dauer variieren stark

Mit welcher Zuverlässigkeit bei Schlaganfallpatienten ein VHF nachgewiesen werden kann, hängt unter anderem von der Dauer des EKG-Monitorings, der Qualität der Auswertung und der Patientenselektion ab. Die Empfehlungen zur Dauer des EKG-Monitorings variierten in den vergangenen Jahren je nach Fachgesellschaft und Leitlinie sehr stark. Sie reichten von 24 Stunden über 72 Stunden bis hin zu 30 Tagen.1

Experten empfehlen standardisierte Rhythmusvisiten auf Stroke Unit

Die Arbeitsgemeinschaft „Herz und Hirn“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) hat kürzlich ein Positionspapier zur Detektion eines VHFs nach einem ischämischen Schlaganfall erarbeitet. Darin geben 26 Experten einen Überblick über die Studienlage und die aktuellen Möglichkeiten der VHF-Detektion.

Sie schlagen Standards für eine qualitativ hochwertige „Rhythmusvisite“ vor, die auch die Einbindung von Kardiologen vorsieht. Die auf der Stroke Unit abgeleiteten EKG-Daten sollten aufgezeichnet werden, damit sie systematisch analysiert werden können. Mindestens einmal täglich sollten die abgeleiteten EKG-Daten durch geschultes und erfahrenes Personal standardisiert analysiert werden.1

EKG-Monitoring über 72 Stunden, für ausgewählte Patienten auch länger

Die Autoren sind sich einig, dass ein Basis-EKG-Monitoring nach einem ischämischen Schlaganfall idealerweise für mindestens 72 Stunden erfolgen sollte, um die Wahrscheinlichkeit eines VHF-Nachweises zu erhöhen. Ein kontinuierliches EKG-Monitoring von 30 Tagen, wie es die US-amerikanischen Leitlinien für Patienten mit kryptogenem Schlaganfall empfehlen, dürfte im klinischen Alltag nur schwer umsetzbar sein. Daher schlagen die Autoren des Positionspapiers für ein verlängertes EKG-Monitoring eine Patientenselektion vor, die auf klinischen, laborchemischen sowie echo- und elektrokardiographischen Kriterien basiert.1

Der federführende Autor des Positionspapiers, Professor Dr. Karl Georg Häusler vom Universitätsklinikum Würzburg, weist darauf hin, dass die Empfehlungen sich in vielen Punkten auf Expertenmeinungen stützen. Daher könne das Positionspapier nicht mit einer Leitlinie gleichgesetzt werden.2

Quellen:

  1. Häusler KG et al.: Positionspapier zur Detektion von Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall. Akt Neurol 2018; 45: 93-106. Online verfügbar unter: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0043-118476.pdf
  2. Positionspapier zur Detektion von Vorhofflimmern nach ischämischem Schlaganfall. Kompetenznetz Vorhofflimmern e. V., Newsletter August 2018. Online verfügbar unter: https://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/sites/default/files/dateien/seiten/afnet_newsletter_3-2018_final.pdf

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