Resilienz im Arztberuf: So stärken Sie Ihren Schutzschild gegen Stress

Resilienz im Arztberuf: So stärken Sie Ihren Schutzschild gegen Stress

Resiliente Menschen bleiben auch im stressigen Arbeitsalltag physisch und psychisch gesund. Resilienztraining ist jedoch nur ein Teil der Lösung. Lesen Sie hier, welche Tipps zur Stressprävention Ihre Kollegen für Sie bereithalten.

Ärzte übernehmen Verantwortung für Menschenleben und müssen auch mit unerfreulichen Erfahrungen, wie dem Leiden oder dem Tod von Patienten, umgehen können.1 Eine zusätzliche Belastung ist das oft überdurchschnittlich hohe Arbeitspensum, das Ärzte bewältigen müssen.2 Unter hohem Zeitdruck muss eine gute Patientenversorgung gewährleistet werden, dazu kommen zunehmend bürokratische Aufgaben. Unter diesen Bedingungen eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu erhalten, fällt vielen Medizinern schwer.3

Diese Präventivhandlungen fördern die Resilienz

Resilient sein – das heißt, auch unter hoher Belastung nicht die Freude am Beruf zu verlieren und in stressvollen Zeiten psychophysisch gesund zu bleiben.4 Jeder Mensch besitzt eine individuelle Toleranzgrenze für Stress.4 Studien haben jedoch gezeigt, dass sich die Resilienz auch aktiv beeinflussen lässt.5, 6 Im Rahmen einer Interviewstudie wurden Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten nach Faktoren gefragt, die ihre eigene Resilienz subjektiv stärken. Häufig genannte Punkte waren7

  • die Gratifikation aus der Arzt-Patienten-Beziehung,
  • der Rückhalt aus der Familie und dem Freundeskreis,
  • regelmäßige Freizeitaktivitäten (Sport, Kultur, Entspannungspraktiken etc.),
  • der Austausch mit Kollegen und die gegenseitige Unterstützung innerhalb dieses Netzwerkes,
  • eine bewusste Arbeitszeitbegrenzung, Selbstreflexion und -organisation sowie ein funktionierendes Fehlermanagement und
  • die Erfahrung der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns, die Anerkennung durch Außenstehende und ein hohes Selbstwertgefühl.

Resilienz und Burn-out

Wird der Stress am Arbeitsplatz chronisch, dann kann sich das sogenannte Burn-out-Syndrom entwickeln.8 Dies kann nicht nur aufgrund eines hohen Stresslevels passieren, sondern häufig auch dann, wenn Bewältigungsstrategien versagen. Die Resilienz-Stress-Balance ist entscheidend dafür, ob sich ein Burn-out entwickelt.8

Die Autoren Card9 und Brindley8 warnen jedoch davor einfache Lösungen für ein so komplexes Problem wie Burn-out zu suchen. Card rät zur Differenzierung zwischen unverbeidbaren und vermeidbaren Belastungen.9 Laut Card eignet sich das Resilienztraining nur für die unvermeidbaren Belastungen, die untrennbar mit dem Arztberuf verbunden sind, wie z. B. Seelsorge und Therapieverantwortung. Zu den vermeidbaren Belastungen zählen unter anderem personelle Unterbesetzung, fehlende Ressourcen, schlechtes Arbeitsklima, Überarbeitung und überbordende Dokumentationspflichten.9 Hier helfen laut Card nur strukturelle Verbesserungen und ein Arbeitsklima, das gegenseitige Wertschätzung groß schreibt.9

Gesunder Egoismus schützt vor Burn-out

Was bringt Ärzte dazu, die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu überschreiten? Ein Aspekt könnte der hohe Anspruch vieler Ärzte an die eigene Kompetenz und Erreichbarkeit sein. Die Folge davon ist, dass sie ihr eigenes Wohlbefinden zugunsten einer optimalen Patientenversorgung vernachlässigen.7 Dennoch ist es im Arztberuf genauso wichtig, sich seinen Patienten gegenüber ausreichend abzugrenzen und die eigenen Grenzen zu erkennen und zu schützen.7 Machen Sie sich bewusst, dass nicht jeder Patient erfolgreich behandelt werden kann. So kann die oft beschworene Work-Life-Balance tatsächlich in erreichbare Nähe rücken.

Quellen:

  1. Sansone RA, Sansone LA. Physician Grief with Patient Death. Innovations in Clinical Neuroscience 2012; 9: 22-26. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3366454/
  2. Williams ES, Rondeau KV, Xiao Q et al. Heavy physician workloads: impact on physician attitudes and outcomes. Health Serv Manage Res 2007; 20: 261-269.
  3. Schneider S, Kingsolver K, Rosdahl J. Physician coaching to enhance well-being: a qualitative analysis of a pilot intervention. Explore (NY) 2014; 10: 372-379.
  4. Epstein RM, Krasner MS. Physician resilience: what it means, why it matters, and how to promote it. Acad Med 2013; 88: 301-303.
  5. Zwack J, Schweitzer J. If every fifth physician is affected by burnout, what about the other four? Resilience strategies of experienced physicians. Acad Med 2013; 88: 382-389.
  6. Krasner MS, Epstein RM, Beckman H et al. Association of an educational program in mindful communication with burnout, empathy, and attitudes among primary care physicians. Jama 2009; 302: 1284-1293.
  7. J Zwack, Schweitzer J. Resilienz im Arztberuf, verfügbar unter http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/09-08_Visitenkarte_2011.pdf; abgerufen am 09.12.2019.
  8. Brindley PG, Olusanya S, Wong A et al. Psychological ‚burnout‘ in healthcare professionals: Updating our understanding, and not making it worse. J Intensive Care Soc 2019; 20: 358-362.
  9. Card AJ. Physician Burnout: Resilience Training is Only Part of the Solution. Ann Fam Med 2018; 16: 267-270.

Bildquelle: AdobeStock/Robert Kneschke