Diagnostik intrazerebraler Blutungen mithilfe künstlicher Intelligenz

Treten intrazerebrale Blutungen auf, ist schnelles Handeln gefragt. Künstliche Intelligenz kann die Interpretation kranialer CT-Bilder erleichtern, die Diagnose dadurch beschleunigen und zusätzlich den behandelnden Arzt und Radiologen entlasten.

Intrazerebrale Blutungen (ICB) sind raumfordernde Ereignisse direkt im Hirnparenchym. Teile des Hirngewebes können durch eine ICB zerstört werden. Typische Akutsymptome sind ein intrakranielles Druckgefühl, starke Kopfschmerzen, Bewusstseinseintrübungen und Lähmungen.1 Die Inzidenz in Deutschland liegt bei 20 von 100.000 Einwohnern pro Jahr. Das Risiko einer spontanen ICB verdoppelt sich mit jeder Lebensdekade.1

Nur sieben Minuten bis zur ICB-Diagnose

Die Firma MaxQ-AI wirbt damit, die Diagnostik von Hirnblutungen durch ihre Accipio®-Intracranial-Hemorrhage(ICH)- Plattform schneller und sicherer zu machen. Die FDA-Zulassung erhielt diese KI-gestützte Software schon im November 2018.2 Inzwischen ist sie auch in Europa CE-zertifiziert und Bestandteil der neuesten IntelliSpace AI Workflow Suite von Philips.3 Zur automatisierten Analyse von nichtkontrastierenden CCT-Bildern (CCT: kraniale Computertomografie) nutzt der Accipio®-ICH-Algorithmus Deep-Learning-Technologien.4 Die Accipio®-ICH-Plattform zur Unterstützung klinischer Entscheidungen kann in Bildarchivierungs- und Kommunikationssysteme (Picture Archiving and Communications Systems, PACS), medizinische Bildverarbeitungshardware oder Healthcare-Clouds integriert werden.4 Potenzielle Hirnblutungen werden damit auf den CT-Scans optisch hervorgehoben und können dadurch vom Facharzt schneller entdeckt und geprüft werden.4 Das Besondere: Die Auswertung einer CT-Untersuchung durch die Software dauert nur maximal sieben Minuten.4 Besonders dieser Aspekt macht die Software praxistauglich.

ICB-Diagnostik: technische Hilfe unerlässlich

Der Verdacht auf eine ICB muss durch eine neuroradiologische Bildgebung überprüft werden. Eine Computertomografie des Kopfes (CCT) oder alternativ eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist hier die Maßnahme der Wahl.1 Schätzungen zufolge wurden damit im Jahr 2019 in deutschen Kliniken 13,5 Billionen Schichtbilder erzeugt.5 Das ist eine Datenflut, der die rund 9.000 Radiologen6 ohne technische Unterstützung nicht gewachsen wären. Besonders bei der Bearbeitung und Bewertung großer Datenmengen in kurzer Zeit können Systeme mit künstlicher Intelligenz (KI) eine große Hilfe sein.5 KI-Systeme, die als Medizinprodukte zugelassen sind, unterstützen Ärzte bereits auf vielen Gebieten – unter anderem auch bei der Diagnostik von Schlaganfällen mit Gefäßverschluss.

Fazit

KI hat das Potenzial, den Arzt bei seiner Arbeit zu unterstützen, den allgegenwärtigen Zeitdruck zu mindern und die Triage zu beschleunigen. Ersetzen kann sie den Arzt aber nicht.

Quellen:

  1. Kretschmer C. Hirnblutung. Gelbe Liste (2019). Online verfügbar unter: https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/hirnblutung (abgerufen am 18.06.2020).
  2. MaxQ AI® Receives FDA Clearance for Accipio Ix™ Intracranial Hemorrhage Platform. MaxQ AI (2018). Online verfügbar unter: https://www.maxq.ai/2018/11/07/maxq-ai-receives-fda-clearance-for-accipio-ix-intracranial-hemorrhage-platform/ (abgerufen am 18.06.2020).
  3. Aus der Industrie – Philips bringt KI-Plattform für die Radiologie auf den Markt. MTA-Dialog (2020). Online verfügbar unter: https://www.mta-dialog.de/artikel/philips-bringt-ki-plattform-fuer-die-radiologie-auf-den-markt.html (abgerufen am 18.06.2020).
  4. Intel Customer Spotlight – Capital Health verbessert Schlaganfallversorgung mit KI. Intel Deutschland GmbH. Online verfügbar unter: https://www.intel.de/content/www/de/de/customer-spotlight/stories/capital-health-ai-customer-story.html (abgerufen am 25.06.2020).
  5. Blume E. Mensch vs. Maschine – der Nutzen von KI in der Bildgebung. MEDICA.de (2019). Online verfügbar unter: https://www.medica.de/de/News/Thema_des_Monats/%C3%84ltere_Themen_des_Monats/Themen_des_Monats_2019/K%C3%BCnstliche_Intelligenz_Big_Data/Mensch_vs._Maschine_%E2%80%93_der_Nutzen_von_KI_in_der_Bildgebung (abgerufen am 18.06.2020).
  6. Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019. Bundesärztekammer (2019). Online verfügbar unter: https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Statistik2019/Stat19AbbTab.pdf (abgerufen am 18.06.2020).

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