FGF-23 als Biomarker für Vorhofflimmern bestätigt

Unerkanntes Vorhofflimmern (VHF) ist ein ernstes Gesundheitsproblem. Ein erhöhter Fibroblastenwachstumsfaktor 23 ist ein weiterer Biomarker für VHF. Er könnte künftig die VHF-Diagnostik erleichtern, wodurch gefährdete Patienten rascher eine adäquate Therapie erhalten können.

Im Rahmen einer im Jahr 2019 im European Heart Journal publizierten Studie analysierten Forscher 40 gängige kardiovaskuläre Risikofaktoren bei 638 Patienten, die entweder mit bekanntem Vorhofflimmern (VHF) oder mit mindestens 2 Risikofaktoren nach dem CHA2DS2-VASc-Schlaganfallscore stationär in die Klinik aufgenommen worden waren. Mittels einer statistischen Analyse sowie einer Technik zum maschinellen Lernen konnten 3 klinische Risikofaktoren sowie 2 Biomarker identifiziert werden, die die Patienten mit VHF sicher diagnostizierten. Die Biomarker verbesserten dabei im Vergleich mit den klinischen Risikofaktoren allein signifikant die Treffergenauigkeit.1

BNP und FGF-23 sind mit VHF assoziiert

Neben den bekannten klinischen Risikofaktoren Alter, männliches Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI) waren auch erhöhte Konzentrationen an natriuretischem Peptid Typ B (BNP) und an dem Fibroblastenwachstumsfaktor 23 (FGF-23) mit dem Vorliegen eines VHF assoziiert.

In der Studie betrug die Odds Ratio (OR)

  • für das Alter 1,060 (95%-Konfidenzintervall (KI): 1,04–1,10; p = 0,001),
  • für das männliche Geschlecht 2,022 (95%-KI: 1,28–3,56; p = 0,008),
  • für den BMI 1,060 (95%-KI: 1,02–1,12; p = 0,003),
  • für das BNP 1,293 (95%-KI: 1,11–1,63; p = 0,002) und
  • für FGF-23 1,667 (95%-KI: 1,36–2,34; p = 0,001).

Der TNF-assoziierte apoptoseinduzierte Ligandrezeptor 2 (TRAIL-R2) war bei VHF-Patienten dagegen signifikant erniedrigt (OR = 0,242, 95%-KI: 0,14–0,32; p = 0,001). Für alle anderen Biomarker konnte kein signifikanter Zusammenhang mit VHF gefunden werden.1

Bluthochdruck und kardiale Verhärtung sind treibende Kräfte

BNP wird von Herzmuskelzellen als Antwort auf einen erhöhten Blutdruck und eine myokardiale Dehnung synthetisiert. Ein erhöhter BNP-Spiegel ist daher schon seit längerem als Biomarker für VHF bekannt. Neu war hingegen der in der Studie erstmals erfasste signifikante Zusammenhang zwischen einem erhöhten FGF-23 und VHF. FGF-23 wird normalerweise von Osteozyten und Osteoblasten sezerniert und reguliert den Phosphat- und Kalziumstoffwechsel. Darüber hinaus fördert FGF-23 aber auch myokardiale Umbauprozesse und eine kardiale Hypertrophie. Zudem ist er mit einer endothelialen Dysfunktion assoziiert. Möglicherweise spielen gerade diese FGF-23-Wirkungen bei der Entstehung eines VHF eine Rolle. Die Studienautoren betonten jedoch, dass weitere Forschung notwendig sei, um mögliche kausale Bindeglieder zwischen FGF-23 und VHF genauer zu identifizieren.1

Neue Studien bestätigen Relevanz von FGF-23

2 neue Studien aus dem Jahr 2020 bestätigen, dass ein erhöhter FGF-23-Serumspiegel sowohl mit VHF als auch mit einem vergrößerten linksatrialen Volumen im Zusammenhang steht.2, 3 Eine dieser Studien zeigte zudem, dass die FGF-23-Level mit der Schwere des VHF korrelierten. So waren die Serumspiegel bei Patienten mit paroxysmalem VHF niedriger als bei Patienten mit persistierendem VHF (191,20 ± 65,59 versus 234,22 ± 70,05 ng/ml; p < 0,05).2 In der VHF-Gruppe lag der FGF-23-Wert insgesamt signifikant höher als in der gesunden Kontrollgruppe (210,20 ± 89,60 versus 110,04 ± 32,29 ng/ml; p < 0,05).2

Schnellere Identifizierung von VHF-Patienten

Bislang wird ein VHF häufig erst nach einer Komplikation wie zum Beispiel einem Schlaganfall erkannt. Gerade Risikogruppen sollten daher möglichst einfach vor einem solchen Ereignis auf das Vorliegen eines VHF gescreent werden können. Durch neue Biomarker wie BNP und FGF-23 scheint dies nun möglich. Bislang unerkannte VHF-Patienten könnten so zeitnah eine effektive antikoagulatorische Therapie erhalten, so die Autoren.1

Quellen:

  1. Chua W et al. Data-driven discovery and validation of circulating blood-based biomarkers associated with prevalent atrial fibrillation. Eur Heart J 2019;40:1268-1276; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6475521/ (abgerufen am 22.04.2021).
  2. Chen JM et al. Significance of serum fibroblast growth factor-23 and miR-208b in pathogenesis of atrial fibrillation and their relationship with prognosis. World J Clin Cases 2020;8:3458-3464; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7457118/ (abgerufen am 22.04.2021).
  3. Roy C et al. Fibroblast growth factor 23: a biomarker of fibrosis and prognosis in heart failure with preserved ejection fraction. ESC Heart Fail 2020;7:2494-2507; unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32578967/ (abgerufen am 22.04.2021).

 

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