Weiterer Biomarker für Vorhofflimmern entdeckt

Nicht erkanntes Vorhofflimmern (VHF) ist ein ernstes Gesundheitsproblem. Ein weiterer Biomarker für VHF, ein erhöhter Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF-23), könnte in Zukunft die Diagnostik erleichtern und gefährdete Patienten rascher einer adäquaten Therapie zuführen.

Im Rahmen einer jüngst publizierten Studie analysierten Forscher 40 gängige kardiovaskuläre Risikofaktoren bei 638 Patienten, die entweder mit bekanntem Vorhofflimmern (VHF) oder mit mindestens zwei Risikofaktoren nach dem CHA2DS2-VASc-Schlaganfallscore stationär in die Klinik aufgenommen worden waren. Mittels statistischer Analyse sowie einer Technik zum maschinellen Lernen konnten drei klinische Risikofaktoren sowie zwei Biomarker identifiziert werden, die Patienten mit VHF sicher diagnostizierten. Die Biomarker verbesserten dabei signifikant die Treffergenauigkeit im Vergleich mit den klinischen Risikofaktoren allein.1

BNP und FGF-23 sind mit VHF assoziiert

Neben den bekannten klinischen Risikofaktoren Alter, männliches Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI) waren auch eine erhöhte Konzentration an natriuretischem Peptid Typ B (BNP) und an dem Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF-23) mit dem Vorliegen eines VHF assoziiert.

In der Studie betrug die Odds Ratio (OR)

  • für das Alter 1,060 (95-%-Konfidenzintervall (KI): 1,04–1,10; p = 0,001),
  • für das männliche Geschlecht 2,022 (95-%-KI: 1,28–3,56; p = 0,008),
  • für den BMI 1,060 (95-%-KI: 1,02–1,12; p = 0,003),
  • für das BNP 1,293 (95-%-KI: 1,11–1,63; p = 0,002) und
  • für FGF-23 1,667 (95-%-KI: 1,36–2,34; p = 0,001).

Der TNF-assoziierte apoptoseinduzierte Ligandrezeptor 2 (TRAIL-R2) war bei VHF-Patienten dagegen signifikant erniedrigt (OR = 0,242, 95-%-KI: 0,14–0,32; p = 0,001). Für alle anderen Biomarker konnte kein signifikanter Zusammenhang mit VHF gefunden werden.1

Bluthochdruck und kardiale Verhärtung sind treibende Kräfte

BNP wird von Herzmuskelzellen als Antwort auf einen erhöhten Blutdruck und eine myokardiale Dehnung synthetisiert. Ein erhöhter BNP-Spiegel ist daher schon seit längerem als Biomarker für VHF bekannt. Neu ist hingegen der in der Studie erstmals erfasste signifikante Zusammenhang zwischen einem erhöhten FGF-23 und VHF. FGF-23 wird normalerweise von Osteozyten und Osteoblasten sezerniert und reguliert den Phosphat- und Kalziumstoffwechsel. Darüber hinaus fördert FGF-23 aber auch myokardiale Umbauprozesse und eine kardiale Hypertrophie und er ist mit einer endothelialen Dysfunktion assoziiert. Möglicherweise spielen gerade diese FGF-23-Wirkungen bei der Entstehung eines VHF eine Rolle. Die Studienautoren betonen jedoch, dass weitere Forschung notwendig sei, um mögliche kausale Bindeglieder zwischen FGF-23 und VHF genauer zu identifizieren.1

Schnellere Identifizierung von VHF-Patienten

Bislang wird ein VHF häufig erst nach einer Komplikation wie zum Beispiel einem Schlaganfall erkannt. Gerade Risikogruppen sollten daher möglichst einfach vor einem solchen Ereignis auf das Vorliegen eines VHF gescreent werden können. Durch neue Biomarker wie BNP und FGF-23 scheint dies nun möglich. Bislang unerkannte VHF-Patienten könnten so zeitnah eine effektive antikoagulatorische Therapie erhalten, so die Autoren.1

Quellen:

  1. Chua W et al. Data-driven discovery and validation of circulating blood-based biomarkers associated with prevalent atrial fibrillation. Eur Heart J 2019; 40:1268-1276. Doi:10.1093/eurheartj/ehy815. Online verfügbar unter https://academic.oup.com/eurheartj/article/40/16/1268/5270657.

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