Worauf es in Arztpraxen ankommt – aus Patientensicht

Was ist Patienten in Hausarztpraxen wichtig – gerade jetzt in Zeiten von COVID-19? Eine aktuelle Patientenbefragung liefert auf diese Frage nun interessante Antworten.

Auf das Personal kommt es an

Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) führten unlängst eine Online-Umfrage mit knapp 1.000 Patienten durch.1 Dabei sollten die Befragten angeben, welche Faktoren sie in einer Arztpraxis für unbedingt erforderlich halten. Dafür durften sie zunächst aus den folgenden fünf verschiedenen Kategorien wählen, wobei Mehrfachnennungen möglich waren:1

  • Personal (Freundlichkeit, Kompetenz, Fachkenntnis)
  • Organisation (Erreichbarkeit, Wartezeit, Angebot an Sprechstunden)
  • Hygiene (Tragen von Sicherheitsbekleidung, Desinfektionsspender, Sauberkeit)
  • Digitalität (digitale Angebote, Webseite, Online-Sprechstunde, Online-Terminbuchung)
  • räumliche Gestaltung (Außen- und Innenarchitektur, Lichtverhältnisse)

74 % der befragten Patienten gaben an, dass für sie ein freundliches und kompetentes Personal in einer Arztpraxis eine unbedingt erforderliche Anforderung ist. Dieser Faktor wurde damit am häufigsten ausgewählt. Die Organisation und die Hygiene waren jeweils für 59 % der Umfrageteilnehmer unverzichtbar. Die Digitalität und die räumliche Gestaltung wurden nur von 9 % beziehungsweise 7 % der Befragten als absolut notwendig angesehen.1

Hygiene ist im Bewusstsein angekommen

Zu Zeiten von COVID-19 sind Patienten bezüglich des Themas Hygiene sensibilisiert und legen auch in Hausarztpraxen großen Wert darauf – gerade im Hinblick auf die Vorbereitung für eine zweite COVID-19-Welle sind diese Erkenntnisse interessant.

Die Top Vier der unbedingt erforderlichen Anforderungen beim Thema Hygiene waren aus Patientensicht1

  • ein separater Wartebereich für infektiöse Patienten (57 %),
  • ein Desinfektionsspender (49 %),
  • spezielle Infekt-Sprechzeiten (35 %) und
  • ein räumlicher Abstand zu anderen Patienten im Wartebereich (25 %).

Nur ein geringer Teil der Befragten hielt die Hinweise zum Sicherheitsabstand (13 %) und die Trennung zwischen Patienten und Praxispersonal durch eine Scheibe (11 %) in einer Hausarztpraxis für unabdingbar.1

Digitale Angebote spielen untergeordnete Rolle

39 % der Befragten gaben an, eine Online-Sprechstunde sei für sie unwichtig. Nur 7 % stuften sie als unentbehrlich ein. Auch die digitale Kommunikation mit dem Praxisteam oder dem Arzt via Chat oder E-Mail wurde nur von 9 % der Patienten als relevant beurteilt, darunter waren allerdings viele junge Menschen. Gerade Patienten bis 25 Jahre wünschten sich mehr Digitalität in der Arztpraxis – beispielsweise Online-Terminbuchungen, digitale Rezepte oder weitere digitale Angebote im Wartebereich.1

Näheres zur Umfrage

Alter, Versicherungsart und Größe des Wohnortes der Befragten wirkten sich kaum auf die Ergebnisse aus. Allerdings hat die Umfrage ergeben, dass Frauen in Bezug auf die untersuchten Anforderungen an eine Arztpraxis ein signifikant höheres Anspruchsniveau haben als Männer.1

Die Ergebnisse der Umfrage sind nicht repräsentativ: Verglichen mit der Gesamtbevölkerung weist sie erhöhte Anteile an Frauen, jungen Menschen und Privatversicherten auf. Die Umfrage wurde von Studierenden der DHBW Ravensburg im Mai 2020 durchgeführt.1

Fazit

Eine gut organisierte Arztpraxis mit durchdachtem Patientenmanagement, kurzen Wartezeiten und verschiedenen Wartebereichen mit ausreichend Platz können helfen, den Praxisbesuch für den Patienten angenehmer zu gestalten und die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Zu den Ergebnissen der Umfrage

Quellen:

  1. Auf das Personal kommt es an in den Arztpraxen. Duale Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg (2020). Online verfügbar unter: https://www.ravensburg.dhbw.de/dhbw-ravensburg/aktuelles/detail/2020/6/auf-das-personal-kommt-es-an-in-den-arztpraxen.html (abgerufen am 09.07.2020).

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