Welche Neuerungen gibt es?

Laut Gesetzgeber haben Patienten in stationärer Behandlung durch ein Krankenhaus Anspruch auf ein Entlassmanagement. Dieses soll im Bedarfsfall nahtlos die weiterführende Versorgung des Patienten gewährleisten.1 Welche Maßnahmen Krankenhäuser im Sinne des Entlassmanagements einleiten müssen, regelt ein neuer Rahmenvertrag zwischen DKG, KBV und dem GKV-Spitzenverband, der ab dem 1. Oktober 2017 in Kraft tritt.

Gespräch zwischen zwei Menschen

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Seit dem 23. Juli 2015 sind Krankenhäuser durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz dazu verpflichtet, ihren Patienten ein Entlassmanagement anzubieten.2 Die Details regelt nun ein neuer Rahmenvertrag zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband), der am 1. Oktober 2017 in Kraft tritt.1

Multidisziplinäres Team soll Entlassmanagement planen

Das Klinikpersonal (Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegepersonal, Sozialdienst, Krankenhausapotheker und weitere Berufsgruppen) soll interdisziplinär ein standardisiertes Entlassmanagement erarbeiten und einrichten. Die Verantwortlichkeiten innerhalb dieses Teams sind laut Vertrag verbindlich zu regeln.1 Über das Entlassmanagement, im Rahmen dessen auch sensible Patientendaten weitergegeben werden, muss das Krankenhaus den Patienten mithilfe bundeseinheitlicher Formulare informieren und sein schriftliches Einverständnis einholen.1

Die wichtigsten Neuerungen für Klinikärzte umfassen folgende Punkte:

  • Krankenhausärzte mit abgeschlossener Facharztweiterbildung können im Bedarfsfall eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigen und Verordnungen ausstellen. Dazu zählen unter anderem Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, aber auch weiterführende häusliche Pflegemaßnahmen und Soziotherapien.1 Die verordneten Leistungen unterliegen dem Wirtschaftlichkeitsgebot.1 Sowohl für Verordnungen als auch für die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit müssen jeweils Mustervorlagen aus dem Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) verwendet werden.1
  • Verordnungen, die durch einen Klinikarzt ausgestellt werden, sind auf die Erfordernisse des Entlassmanagements beschränkt.1 Der Klinikarzt kann Leistungen für bis zu sieben Tage verordnen. Arzneimittel dürfen allerdings nur in der kleinsten verfügbaren Packungsgröße verschrieben werden.3 Ein Medikationsplan soll den Patienten in der Übergangsphase bei der korrekten Einnahme der verschriebenen Medikamente unterstützen.1
  • Die Rezepte müssen auf den Vordrucken mit einer versorgungsspezifischen Betriebsstättennummer (BSNR) gekennzeichnet werden.3 Diese kann das Krankenhaus bei der entsprechenden Kassenärztlichen Vereinigung beantragen.1 Zusätzlich soll übergangsweise bis zum 1. Januar 2019 anstelle der lebenslangen Arztnummer (LANR) ein Arztpseudonym eingetragen werden.1

Informationen zur Vergabe der Arzt- und Betriebsstättennummern erhalten Sie hier.

  • Setzen geplante Leistungen (Arzneimittel, Pflegemaßnahmen etc.) eine Genehmigung der Kranken- beziehungsweise Pflegekasse voraus, muss das Krankenhaus diese vor Kontakt mit dem Leistungserbringer informieren. Dies gilt auch für den Fall, dass sich der Versorgungsbedarf während des Klinikaufenthalts ändert.1
  • Klinikärzte müssen die für das Entlassmanagement relevante Daten in einem Entlassplan dokumentieren – zum Beispiel in Form einer Checkliste,3 die allen beteiligten Mitarbeitern in der Patientenakte zur Verfügung steht. Ist eine Unterstützung des Entlassmanagements durch die Kranken- oder Pflegekasse erforderlich, müssen die im Entlassplan hinterlegten Informationen frühestmöglich an diese übermittelt werden.1

Ein Muster der deutschen Krankenhausgesellschaft können Sie unter folgendem Link herunterladen:

  • Am Tag der Entlassung erhält der Patient und mit dessen Einwilligung auch der weiterbehandelnde Arzt einen Entlassbrief, beziehungsweise mindestens einen vorläufigen Entlassbrief. Dieser enthält alle für die Weiterversorgung notwendigen Informationen, wie Patientenstammdaten, Aufnahme- und Entlassdatum sowie Namen und Kontakt des behandelnden Krankenhausarztes.1

Fazit

Mit den neuen gesetzlichen Vorgaben zur Umsetzung des Entlassmanagements ist ein beachtlicher bürokratischer und personeller Mehraufwand für die Krankenhäuser zu erwarten. Der Übergang von einer stationären Betreuung in die weiterführende Versorgung des Patienten stellt allerdings laut Bundesministerium für Gesundheit „eine besonders kritische Phase der Behandlungs- und Versorgungskette“ dar.4

Die im Rahmenvertrag Entlassmanagement festgelegten Maßnahmen zielen daher darauf ab, den durch die stationäre Betreuung erreichten Therapieerfolg langfristig zu sichern. Das bedeutet auf der einen Seite mehr Lebensqualität für den Patienten, auf der anderen Seite können vermeidbare Kosten eingespart werden. Um Krankenhausärzte bei der Umsetzung der gesetzlichen Neuerungen zu unterstützen, erstellt die KBV aktuell ein Handbuch, das die Regeln der vertragsärztlichen Bestimmungen in übersichtlicher Form zusammenfasst. Es wird unter anderem Abbildungen aller relevanten Musterformulare mit entsprechenden Vordruckerläuterungen enthalten.5

Quellen:

  1. Rahmenvertrag über ein Entlassmanagement beim Übergang in die Versorgung nach Krankenhausbehandlung; Dresden/Berlin, 17. Oktober 2016; verfügbar unter http://www.kbv.de/media/sp/Rahmenvertrag_Entlassmanagement.pdf; abgerufen am 28.07.2017.
  2. GKV-Versorgungsstärkungsgesetz; Berlin, 16. Juli 2015.
  3. DKG Umsetzungshinweise zum Rahmenvertrag über ein Entlassmanagement; verfügbar unter http://www.dkgev.de/media/file/49831.Anlage_1_Umsetzungshinweise_Entlassmanagement.pdf; abgerufen am 28.07.2017.
  4. Bundesministerium für Gesundheit – Entlassmanagement; verfügbar unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/entlassungsmanagement.html; abgerufen am 01.08.2017.
  5. Praxisnachricht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung; verfügbar unter http://www.kbv.de/html/1150_30002.php; abgerufen am 02.08.2017.