Vorhofflimmern: Testen Sie die Kognition Ihrer Patienten?

Vorhofflimmern: Testen Sie die Kognition Ihrer Patienten?

VHF kann die Entstehung einer Demenz fördern. Wie Sie bei Ihren VHF-Patienten Anzeichen einer Demenz frühzeitig erkennen und welchen Einfluss orale Antikoagulanzien haben, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Schon lange gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern (VHF) und Demenz. Koreanische Forscher konnten diesen Zusammenhang in einer Langzeitstudie mit 262.611 Personen ab 60 Jahren bestätigen.1 Zu Beginn der Beobachtungen 2004 waren alle Teilnehmer frei von VHF und Demenz. In dem Beobachtungszeitraum bis Ende 2013 traten bei 10.435 Teilnehmern VHF-Ereignisse auf.1

Eine Demenz entwickelten

  • 24,4 % (n = 2.522) der VHF-Probanden und
  • 14,4 % (n = 36.322) der VHF-freien Probanden.1

Das Demenz-Risiko war bei den VHF-Patienten mit einer Hazard Ratio (HR) von 1,52 [95 % Konfidenzintervall (KI) 1,43–1,63] signifikant erhöht.1 Dieses Risiko blieb auch bestehen, nachdem die Personen, die einen Schlaganfall erlitten hatten aus der Berechnung entfernt worden waren (HR = 1.27, 95 % KI 1,18–1,37).1 Nicht-valvuläres VHF erhöhte sowohl das Risiko für Alzheimer (HR = 1.31, 95 % KI 1,20–1,43), als auch für vaskuläre Demenz (HR = 2,11, 95 % KI 1,85–2,41).1

Mechanismen und gemeinsame Risikofaktoren

Die koreanischen Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse nur den Zusammenhang zwischen VHF und Demenz aufzeigen – nicht, dass VHF Demenz verursacht.1 Doch wie stehen VHF und Demenz miteinander in Verbindung?

Dafür werden folgende verschiedene Faktoren diskutiert:

  • Zerebrale Durchblutungsstörungen, bedingt durch die niedrigere kardiale Auswurfleistung bei VHF2, 3
  • Gemeinsame Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Hypercholesterinämie1, 3
  • Auftreten von (asymptomatischen) Schlaganfällen1, 3
  • Chronische Mikroembolien oder Mikroblutungen1, 2

Kognitive Fähigkeiten prüfen

Das Erkennen und Vorbeugen einer nachlassenden Kognitionsleistung ist bei alternden Patienten besonders wichtig. Denn Patienten mit nachlassenden kognitiven Fähigkeiten

  • vergessen häufiger Medikamenteneinnahmen,
  • haben ein höheres Sturzrisiko,
  • haben eine geringere Lebenserwartung und
  • ca. 30 % entwickeln innerhalb von drei Jahren eine Alzheimer-Demenz.2

Es empfiehlt sich deshalb, bei VHF-Patienten die kognitive Leistungsfähigkeit in regelmäßigen Abständen zu überprüfen (z. B. einmal jährlich).2 Dazu eignet sich beispielsweise der DemTect-Test4 oder der MoCa-Test5 (Montreal-Cognitive-Assessment-Test).

Hier geht’s zum DemTect-Test

Hier geht’s zum MoCa-Test

Umgekehrt kann es auch sinnvoll sein, bei Demenzpatienten an Vorhofflimmern zu denken und sie dahingehend zu untersuchen.2

Antikoagulation schützt vor Demenz

Wenn Vorhofflimmern diagnostiziert wurde, ist in vielen Fällen eine orale Antikoagulation zur Schlaganfallprophylaxe indiziert. Wie sich diese auf das Demenzrisiko auswirkt, untersuchten die koreanischen Forscher ebenfalls: Nahmen die VHF-Patienten Vitamin-K-Antagonisten (VKA) oder Nicht-VKA orale Antikoagulanzien (NOAKs) ein, so verringerte sich das Risiko für die Entstehung einer Demenz (HR = 0,61, 95 % KI 0,54–0,68).1 Die NOAKs schienen hier einen stärkeren, präventiven Effekt zu haben als VKAs.1 Weitere klinische Studie zu diesem Thema laufen bereits.1

Quellen:

  1. Kim D, Yang PS, Yu HT et al. Risk of dementia in stroke-free patients diagnosed with atrial fibrillation: data from a population-based cohort. Eur Heart J 2019; 40: 2313-2323. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31212315
  2. Hui D, Morley J, PC. M et al. Atrial fibrillation: A major risk factor for cognitive decline. Am Heart J 2015; 4: 448-456. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25819850
  3. de Bruijn RF, Heeringa J, Wolters FJ et al. Association Between Atrial Fibrillation and Dementia in the General Population. JAMA Neurol 2015; 72: 1288-1294. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26389654
  4. Kalbe E, Kessler J, Calabrese P et al. DemTect: a new, sensitive cognitive screening test to support the diagnosis of mild cognitive impairment and early dementia. Int J Geriatr Psychiatry 2004; 19: 136-143. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14758579
  5. Nasreddine ZS, Phillips NA, Bedirian V et al. The Montreal Cognitive Assessment, MoCA: a brief screening tool for mild cognitive impairment. J Am Geriatr Soc 2005; 53: 695-699. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15817019

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