Früher erkennen, gezielt handeln: jüngere Patient:innen mit Vorhofflimmern Jung, aktiv – und dennoch betroffen: Vorhofflimmern frühzeitig erkennen
Vorhofflimmern (VHF) gilt noch immer als Erkrankung des hohen Alters – dabei sind häufig auch jüngere Patient:innen davon betroffen und dadurch mit einem relevanten Risiko für Hospitalisierungen, Schlaganfall und Langzeitmortalität konfrontiert. Präventive Check-ups eröffnen wichtige Chancen zur frühen Diagnose. Eine leitliniengerechte Abklärung, partizipative Therapieentscheidungen und eine alltagstaugliche Antikoagulation können dazu beitragen, schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Besonders bei jüngeren Frauen mit VHF ist im Kontext der Familienplanung eine individuell abgestimmte Betreuung wichtig.
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über:
- Vorhofflimmern (VHF) im jüngeren Lebensalter
- Früherkennung durch präventive Check-ups
- Therapieentscheidungen bei Frauen mit VHF im Kontext der Familienplanung
- Langzeitantikoagulation bei jüngeren Betroffenen
VHF im jüngeren Lebensalter: Wenn Symptome und Risiken unterschätzt werden
Vorhofflimmern (VHF) ist keine reine Alterskrankheit, auch wenn Prävalenz und Inzidenz mit zunehmendem Lebensalter deutlich ansteigen.1, 2 Ein erheblicher Anteil der aufgrund von VHF hospitalisierten Patient:innen ist jünger als 65 Jahre. Oft erfolgt die Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Myokardinfarkt.3 Zudem weisen Patient:innen mit VHF unter 65 Jahren eine erhebliche Komorbiditätslast sowie eine beträchtliche Langzeitmortalität auf.3 Typische Beschwerden bei Patient:innen mit VHF sind Herzrasen, Palpitationen, Dyspnoe oder Leistungsminderung. Obwohl VHF im jüngeren Lebensalter meist mit den entsprechenden Symptomen verbunden ist, kann es insbesondere bei paroxysmalem Verlauf oder intermittierender Symptomatik initial unerkannt bleiben.4
Früherkennung statt Zufallsbefund: präventive Check-ups als Chance zur frühen Detektion von VHF
Der kostenlose Gesundheits-Check-up für gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren ist eine gute Gelegenheit, auch bei jüngeren, vermeintlich gesunden Patient:innen kardiovaskuläre Risiken frühzeitig zu erkennen.5 Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie „Vorhofflimmern“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) wird ein risikoadaptiertes Screening empfohlen, unter anderem bei Vorliegen von arterieller Hypertonie, Adipositas, Diabetes mellitus oder Schlafapnoe.6 Bei auffälligen Befunden ist eine frühzeitige weiterführende kardiologische Abklärung indiziert. Für die Sicherung der Diagnose ist laut Leitlinie der Nachweis der Rhythmusstörung mittels Elektrokardiogramm (EKG) erforderlich.6 Nach der Diagnosestellung wird eine strukturierte Evaluation empfohlen, die insbesondere Komorbiditäten sowie das individuelle thromboembolische Risiko umfasst. Diese Einschätzung ist die Grundlage für therapeutische Entscheidungen, insbesondere hinsichtlich der Indikation zur oralen Antikoagulation. Ziel ist die Prävention thromboembolischer Komplikationen, vor allem ischämischer Schlaganfälle.6
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