Bedenken Sie vor jeder Therapieentscheidung die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherzen? Der neue Verein Netzwerk Frauenherz möchte Ärzte, Patienten und medizinisches Personal für dieses Thema sensibilisieren.

Nach wie vor gelten Herzerkrankungen häufig als „Männerkrankheit“. Doch für beide, Männer und Frauen, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache.1 Es gibt allerdings deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Pathophysiologie des Herzens und in der Symptomatik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.2 Eine Differenzierung zwischen Männer- und Frauenherzen ist daher notwendig, findet aber häufig nicht in ausreichendem Maße statt.3

Irgendwie anders: Frauenherzen

Frauen haben insgesamt kleinere Koronargefäßdiameter und erleiden häufiger als Männer linksbetonte Koronargefäßerkrankungen.2 Atherosklerotische Gefäßablagerungen sind bei Frauen eher diffus lokalisiert.2 Große Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt es auch in der Arzneimittelwirksamkeit. Diese ergeben sich aus dem höheren Fettanteil des weiblichen Körpers und aus Unterschieden in der Enzymaktivität des Magen-Darm-Trakts.4 Außerdem reagieren Frauen sensibler auf psychosozialen Stress, der das Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beträchtlich erhöht.2, 5, 6

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Die gängigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen bei Frauen häufig bestimmte Besonderheiten:

  • Beim akuten Koronarsyndrom ist prämenopausal eher eine Plaqueerosion und postmenopausal – genau wie bei Männern – eher eine Plaqueruptur ursächlich.2 Auch treten Koronarspasmen bei Frauen häufiger auf als bei Männern.5 Ein akuter Herzinfarkt äußert sich bei Frauen häufiger lediglich durch Kurzatmigkeit, Übelkeit oder grippeähnliche Symptome und kann somit leicht zu spät erkannt werden.3, 5 Das Tako-Tsubo-Syndrom ist bei circa 8 % der akuten Koronarsyndrome bei Frauen – und damit wesentlich häufiger als bei Männern – ursächlich.6
  • Frauen leiden eher an einer diastolischen Herzinsuffizienz, Männern eher an einer systolischen Dysfunktion des Herzens.4
  • Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist bei Frauen insgesamt mit einem höheren Mortalitätsrisiko verbunden als bei Männern.2 Dabei erkranken Frauen im Mittel etwa zehn Jahre später als Männer und leiden unter mehr Begleiterkrankungen.2 Diabetes fördert das Auftreten der KHK bei ihnen stärker als bei Männern.6
  • Im Falle der stabilen Angina pectoris ist die Interpretation nichtinvasiver Diagnostik bei Frauen oftmals unzuverlässig.6 Daher gelten bildgebende Verfahren (Emissionstomographie, SPECT oder Stressechokardiographie) als Untersuchungsmethode der Wahl.6 Bei Frauen treten zudem Störungen der myokardialen Mikrozirkulation häufiger auf als bei Männern.2

Netzwerk für Frauengesundheit

Der gemeinnützige Verein „Netzwerk Frauenherz“ möchte die Herzgesundheit von Frauen in Deutschland verbessern und hat sich die Förderung der geschlechtsspezifischen Kardiologie in Deutschland zum Ziel gesetzt.3 Der im Frühling 2019 gegründete Verein plant, bundesweit gendermedizinische Aufklärung von Institutionen, medizinischem Personal und der Öffentlichkeit zu betreiben und medizinische Forschung zum Thema Frauenkardiologie zu unterstützen. Momentan liegt der Aktionsschwerpunkt des Netzwerk Frauenherz e. V. im Westen Deutschlands. Bereits 16 Kliniken aus dem Rheinland, dem Raum Aachen und dem Bergischen Land gehören dem neuen Netzwerk an.3 Damit ist der Grundstein gelegt, um die Herzgesundheit von Frauen zu verbessern und vorhandene Benachteiligungen in der Gesundheitsversorgung in Deutschland zu bekämpfen.

Bei Interesse am Netzwerk oder an entsprechenden Veranstaltungen kontaktieren Sie bitte Herrn Alexander Blazyczek , Mitarbeiter von Daiichi Sankyo und offizieller Koordinator und Berater des Netzwerks Frauenherz.

Quellen:

  1. Destatis – Statistisches Bundesamt: Todesursachen – Zahl der Todesfälle im Jahr 2016 um 1,5 % gesunken. Online verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/todesfaelle-2016.html
  2. Ladwig KH, Waller C. Geschlechtsspezifische Aspekte bei der koronaren Herzkrankheit. Bundesgesundheitsbl 2014; 9: 1-9. https://www.springermedizin.de/geschlechtsspezifische-aspekte-bei-der-koronaren-herzkrankheit/8013216
  3. Gemeinnütziger Verein will geschlechtsspezifische Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verdeutlichen. Pressemitteilung des Netzwerk Frauenherz e.V. (Mai 2019).
  4. Gendermedizin in der Kardiologie: Aspekte der Diagnostik und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Kassenärztliche Vereinigung Berlin. (August 2011). Online verfügbar unter: https://mvz-rankestrasse.de/tl_files/pub/KVBlatt-08-2011-Gendermedizin-in-der-Kardiologie.pdf.
  5. Warum Herzinfarkte bei Frauen anders verlaufen. Ärzteblatt (Januar 2016). Online verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65522/Warum-Herzinfarkte-bei-Frauen-anders-verlaufen.
  6. Regitz-Zagrosek V. Gendermedizin: Wie Frauen sich „kardial“ unterscheiden. Dtsch Arztebl International 2015; 112: 14. https://www.aerzteblatt.de/int/article.asp?id=168844

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