Eine aktuelle Beobachtungsstudie weist darauf hin, dass neben Ausdauersport auf Hochleistungsniveau auch kraftbetonter Leistungssport das Risiko für das Auftreten von Arrhythmien erhöht. Ehemalige American-Football-Profispieler der NFL hatten ein knapp sechsfach erhöhtes VHF-Risiko.

US-amerikanische Forscher ermittelten in einer Querschnittsstudie das Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern (VHF) bei ehemaligen Spielern der National Football League (NFL).1 Außerdem untersuchten sie die Hochleistungssportler auf weitere Störungen des kardialen Reizleitungssystems und verglichen die Daten mit einer bevölkerungsbasierten Vergleichspopulation.1 Bei Ausdauerathleten im Hochleistungssport ist ein Zusammenhang mit einem erhöhten VHF-Risiko bereits länger bekannt.2 Bei eher kraftbetontem Leistungssport, wie American Football, gab es dazu bislang noch keine Erkenntnisse.

Erhöhtes VHF-Risiko für Ex-Profis

In ihrer Untersuchung stellten die Wissenschaftler die Daten von 460 ehemaligen NFL-Spielern den Daten von 925 Kontrollpersonen gegenüber.1 Das Durchschnittsalter lag in beiden Gruppen bei circa 55 Jahren. VHF wurde bei 23 NFL-Spielern (5 %) und bei fünf Personen der Kontrollgruppe (0,5 %) festgestellt. Die multivariable Regressionsanalyse ergab nach der Bereinigung anderer vorliegender kardiovaskulärer Risikofaktoren, dass die früheren NFL-Spieler ein um den Faktor 5,7 (95-%-Konfidenzintervall: 2,1–15,9; p < 0,001) erhöhtes Odds Ratio für das Auftreten von VHF haben.1 Wie bei den Ausdauerathleten bleibt auch hier der genaue mechanistische Zusammenhang zwischen Leistungssport und VHF ungeklärt. Die Autoren stellten jedoch in einer separaten Analyse der NFL-Gruppe fest, dass das VHF stark mit einer Vergrößerung des linken Vorhofs assoziiert war.1 Diese Beobachtung stimmt mit den bisherigen Erklärungsmodellen, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Leistungssport, einem vergrößerten linken Vorhof und dem VHF-Risiko herstellen, überein.1

Bessere Überwachung tut not

Die Diagnose VHF war bei 15 der 23 betroffenen NFL-Profis vor dieser Studie noch nicht gestellt worden. Die Spieler waren alle symptomfrei und hatten eine normale Herzfrequenz. Der CHA2DS2-VASc-Score lag jedoch bei 80 % dieser Spieler (12/15) zwischen 1 und 6 Punkten.1 Ab einem CHA2DS2-VASc-Score von 1 wird empfohlen, eine orale Antikoagulation zur Schlaganfallprävention zu erwägen. Acht Spieler (53 %) hatten einen CHA2DS2-VASc-Score ≥ 2 und damit eine solide Indikation für eine orale Antikoagulationstherapie.1 Die Autoren empfehlen deshalb insgesamt eine engmaschigere Überwachung der Herzgesundheit von ehemaligen Leistungssportlern.

Andere kardiovaskuläre Störungen

Neben dem erhöhten VHF-Risiko wurden bei den NFL-Spielern im Vergleich zu der Kontrollgruppe weitere Besonderheiten beobachtet. Die American-Football-Spieler

  • trugen achtmal so häufig einen Herzschrittmacher (2 % versus 0,25 %, p < 0,01),
  • hatten eine deutlich geringere Ruheherzfrequenz (62 ± 11 versus 66 ± 11 Schläge pro Minute, p < 0,001) und
  • es lag bei ihnen häufiger ein atrioventrikulärer Block ersten Grades vor (18 % versus 9 %, p < 0,001).1

Limitationen der Studie

Diese Studie betrachtete insgesamt relativ wenige Personen in beiden Kohorten. Dies schränkt ihre Aussagekraft und die Möglichkeiten für multivariable Analysen ein.1 Zudem basieren die Ergebnisse nicht auf einer langfristigen Herzüberwachung der Teilnehmer, sondern nur auf einzelnen Zwölf-Kanal-Elektrokardiogrammen.1 Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass die tatsächliche Prävalenz elektrophysiologischer Anomalien, einschließlich VHF, höher ist als berichtet. Diese Einschränkung gilt jedoch für beide Gruppen gleichermaßen. Des Weiteren fehlen Angaben zum Vorliegen einer Schlafapnoe, zur Schilddrüsenfunktion und zum Alkoholkonsum. Besonders Schlafapnoe tritt durch den tendenziell höheren Body-Mass-Index gehäuft bei NFL-Spielern auf und zählt zu den starken VHF-Risikofaktoren.1

Quellen:

  1. Aagaard P, Sharma S, McNamara DA et al. Arrhythmias and Adaptations of the Cardiac Conduction System in Former National Football League Players. Journal of the American Heart Association 2019; 8: e010401. https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/JAHA.118.010401
  2. Abdulla J, Nielsen JR. Is the risk of atrial fibrillation higher in athletes than in the general population? A systematic review and meta-analysis. Europace 2009; 11: 1156-1159. https://academic.oup.com/europace/article/11/9/1156/465401

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