Sport ja, aber welcher? Eine neue Studie zeigt, dass Patienten nach einem Myokardinfarkt von hochintensivem Intervalltraining besonders profitieren können.1 Auch für Menschen mit VHF kann sich Intervalltraining lohnen.2 Hier erfahren Sie, warum.

  • Das metabolische Syndrom (MetS) erhöht das Risiko für einen Myokardinfarkt um das Achtfache.1
  • Bei Patienten in der kardiologischen Rehabilitation verbessert hochintensives Intervalltraining das MetS.1
  • Bei Personen mit Vorhofflimmern (VHF) reduziert aerobes Intervalltraining das Auftreten des VHF.2

Adipositas, vor allem abdominale Adipositas, ist eine grundlegende pathophysiologische Komponente des metabolischen Syndroms (MetS). Das Auftreten des MetS bei Patienten mit einem Myokardinfarkt (MI) geht mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse sowie für einen erneuten MI einher.1 Eine aktuelle Studie untersuchte daher den Einfluss von hochintensivem Intervalltraining (HIIT) auf das MetS bei Menschen, die sich nach einem MI in Rehabilitation befanden.1

Studienteilnehmer

Eingeschlossen wurden Patienten, auf die Folgendes zutraf:1

  • Diagnose sowohl eines MI als auch eines MetS
  • Abschluss von 36 überwachten Trainingseinheiten am Herzrehabilitationszentrum der Mayo-Klinik in Rochester, USA
  • Messung der Blutfette sowie des Nüchternblutzuckers vor und nach der Rehabilitation
  • Doppelröntgenabsorptiometrie vor und nach der Rehabilitation

Die Teilnehmer der beiden Trainingsgruppen (HIIT vs. MICT, siehe unten) unterschieden sich nicht hinsichtlich Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Größe und BMI. Ebenso wenig gab es Unterschiede bei den Komorbiditäten und der Medikation.1

Ablauf des Trainings

In der ersten Woche absolvierten alle Patienten ein kontinuierliches Training mit moderater Intensität (MICT). Die Belastung während des Trainings wurde anhand der Borg-Skala als „rating of perceived exertion“ (RPE) bestimmt. Waren die Patienten in der Lage, 20 Minuten und mehr bei einer RPE von 12 bis 14 zu trainieren, konnten sie selbst entscheiden, ob sie das MICT fortsetzen oder zum HIIT wechseln. Von den 56 eingeschlossenen Patienten nahmen 42 am HIIT teil, 14 setzten das MICT fort.1

Während der HIIT-Einheiten wechselten sich Zyklen von hoher Intensität (RPE 15–17) mit Zyklen von geringerer Intensität (RPE < 14) ab, sodass eine aktive Regeneration stattfinden konnte. Zu Beginn absolvierten die HIIT-Teilnehmer vier Zyklen von hoher Intensität, die jeweils 30 bis 60 Sekunden dauerten. Sie steigerten sich im Laufe der Zeit auf fünf bis acht Zyklen von jeweils zwei bis vier Minuten innerhalb einer 20- bis 45-minütigen Einheit. Die MICT-Einheiten bestanden ebenfalls aus jeweils 20 bis 45 Minuten Training, allerdings bei einer RPE von 12 bis 14.1 Im Durchschnitt absolvierten die Teilnehmer zwölf Wochen lang drei überwachte HIIT- oder MICT-Einheiten pro Woche.1

HIIT verbessert metabolisches Syndrom

Die Teilnehmer der HIIT-Gruppe zeigten eine deutlichere Verbesserung des metabolischen Syndroms (relatives Risiko = 0,5; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,33–0,75; p < 0,001) im Vergleich zur MICT-Gruppe. Das Vorliegen eines MetS wurde gemäß den Kriterien des National Cholesterol Education Program (NCEP-ATP-III) definiert. Verglichen wurden die Parameter vor Beginn (Baseline) und nach Abschluss des zwölfwöchigen Programms.1

Auch beim MetS-z-Score gab es Unterschiede zwischen den Gruppen. Dieser setzt sich aus folgenden Variablen zusammen: Taillenumfang, systolischer Blutdruck, diastolischer Blutdruck, Triglyceride und Nüchternblutzucker. Während der MetS-z-Score in der HIIT-Gruppe um 3,6 abnahm, betrug die Differenz in der MICT-Gruppe nur 0,8 (p < 0,001).1

Außerdem zeigte die Studie folgende weitere interessante Ergebnisse:

  • HIIT wirkte sich positiv auf das Körperfett aus. Dieses nahm im Mittel um 2,1 ± 2,1 kg ab (p = 0,002) und auch das Bauchfett verringerte sich um 2,2 % (p = 0,004). In der MICT-Gruppe hingegen wurde kein Körperfett abgebaute (0 ± 2,2 kg) und beim Bauchfett legte sie sogar noch zu (+ 0,1 %).1
  • In der HIIT-Gruppe erhöhte sich die fettfreie Körpermasse um 0,9 ± 1,9 kg. Dies weist darauf hin, dass diese Studienteilnehmer Muskeln aufbauten. Die MICT-Gruppe verlor dagegen im Mittel 0,9 ± 3,2 kg fettfreie Körpermasse.1

Alle Patienten schlossen die Studie ohne unerwünschte Effekte ab.1 Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass HIIT ein Baustein zur Behandlung des MetS bei MI-Patienten während der Rehabilitation sein kann.1

Intervalltraining verbessert auch VHF

Nicht nur MI-Patienten profitieren vom Intervalltraining. Auch bei Menschen mit Vorhofflimmern (VHF) lassen sich damit vielversprechende Ergebnisse erzielen. So kam eine norwegische Studie zu dem Ergebnis, dass aerobes Intervalltraining (AIT) die Zeiten mit VHF im Mittel verringern kann.2 Verglichen wurden dabei VHF-Betroffene, die dreimal pro Woche ein AIT absolvierten, mit VHF-Patienten, die ihre Bewegungsgewohnheiten beibehielten. Das AIT verbesserte nicht nur das VHF, sondern führte auch zu einer Reduktion des Körpergewichts und des Body-Mass-Index (BMI).2

Körpergewicht hat großen Einfluss auf VHF

Der positive Effekt eines Gewichtsverlusts auf das VHF ist gut untersucht. Im Rahmen der LEGACY-Studie fand man beispielsweise Folgendes heraus: VHF-Betroffene, die ≥ 10 % ihres Körpergewichts verloren und ihr neues Gewicht hielten, hatten eine sechsfach höhere Wahrscheinlichkeit, frei von Arrhythmien zu bleiben, als VHF-Betroffene, die < 3 % ihres Gewichtes verloren.3

Fazit

Für Menschen, die sich nach einem MI in Rehabilitation befinden, scheint das HIIT mit einem größeren Nutzen verbunden zu sein als das MICT.1 Darüber hinaus können auch VHF-Betroffene von Intervalltraining profitieren. Dabei scheint der positive Effekt dieses Trainings auf das Körpergewicht der Patienten von besonderer Bedeutung zu sein.2 Allerdings muss dies noch in weiteren Studien mit mehr Teilnehmern bestätigt werden.

 

Quellen:

  1. Dun Y, Thomas RJ, Smith JR et al. High-intensity interval training improves metabolic syndrome and body composition in outpatient cardiac rehabilitation patients with myocardial infarction. Cardiovasc Diabetol 2019; 18: 104. https://cardiab.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12933-019-0907-0
  2. Malmo V, Nes BM, Amundsen BH et al. Aerobic Interval Training Reduces the Burden of Atrial Fibrillation in the Short Term: A Randomized Trial. Circulation 2016; 133: 466-473. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26733609
  3. Chung MK, Eckhardt LL, Chen LY et al. Lifestyle and Risk Factor Modification for Reduction of Atrial Fibrillation: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 2020; 141: e750-e772. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32148086

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