Häufigsten Todesursachen antikoagulierter Patienten

Schlaganfälle und Blutungen sind nur selten die Todesursache antikoagulierter nvVHF-Patienten. Woran diese Patienten am häufigsten sterben und welche Faktoren die Mortalitätsrate beeinflussen, erfahren Sie in diesem Beitrag.1

Eine Metaanalyse zeigt: Bei Patienten, die aufgrund von nicht-valvulärem Vorhofflimmern (nvVHF) ein orales Antikoagulanz einnehmen, ist fast jeder zweite Todesfall kardialen Ursprungs. Fast jeder dritte Todesfall kann auf eine nichtvaskuläre Erkrankung zurückgeführt werden.1

134.046 Patientenjahre im Follow-up

Die quantitative Metaanalyse von Gómez-Outes et al. basiert auf den Daten der vier randomisierten Zulassungsstudien der Nicht-VKA oralen Antikoagulanzien (NOAKs) zur Schlaganfallprophylaxe bei nvVHF:

  • RE-LY2 (Dabigatran)
  • ROCKET AF3 (Rivaroxaban)
  • ARISTOTLE4 (Apixaban)
  • ENGAGE AF-TIMI 485 (Edoxaban)

Diese untersuchten die Wirksamkeit und Sicherheit der NOAKs im Vergleich zu Warfarin.2-5

Während der Nachverfolgungsphase, die 134.046 Patientenjahren entspricht, verstarben 6.206 der 71.683 in die vier Studien eingeschlossenen Patienten. Das entspricht einem Anteil von 9 % und einer angepassten jährlichen Rate von 4,72 % über alle Antikoagulanzien und Dosisregime.1 In allen Studien wurden die Todesursachen von einem unabhängigen Komitee verblindet beurteilt.1

Herztod am häufigsten

Abbildung 1 stellt die häufigsten Todesursachen antikoagulierter Patienten mit nvVHF dar:

Abbildung 1: Todesursachen bei Patienten mit Vorhofflimmern unter Antikoagulationstherapie (modifiziert nach Gómez-Outes A et al, J Am Coll Cardiol 2016).1

Der Metaanalyse zufolge waren in 64 % der Fälle vaskuläre Erkrankungen die Todesursache1 (siehe Abbildung 1). Allein 46 % aller Todesfälle konnten auf kardiale Ursachen, wie plötzlicher Herztod/Arrhythmien (28 %), Herzinsuffizienz (15 %) und Myokardinfarkt (3 %), zurückgeführt werden. In etwa 30 % der Fälle trat der Tod aufgrund nichtvaskulärer Erkrankungen ein. Dazu zählten unter anderem maligne Erkrankungen (11 %), Infektionskrankheiten (9 %) und Atemwegserkrankungen (3 %).

Ischämische Schlaganfälle/systemische Embolien und Blutungen waren in weniger als 6 % der Fälle ursächlich für den Tod.1

NOAKs versus Warfarin: signifikant reduzierte Mortalität

Hinsichtlich der Gesamtmortalität zeigte sich eine signifikante Überlegenheit von NOAKs gegenüber Warfarin (4,46 % vs. 4,87 %/Jahr, Risk Ratio (RR) 0,90; 95-%-Konfidenzintervall (KI) 0,86–0,95; p < 0,0001). Diese war laut der Autoren maßgeblich durch eine Halbierung des Risikos tödlicher Blutungen (RR 0,49; 95-%-KI 0,40–0,61; p < 0,00001) bedingt (Abbildung 2).1

Abbildung 2: Vergleich der Todesursachen unter einer Therapie mit NOAKs oder Warfarin (modifiziert nach Gómez-Outes A et al, J Am Coll Cardiol 2016).1

Risikofaktoren für erhöhte Mortalität

Durch einen Vergleich der verstorbenen mit den noch lebenden Patienten konnten die Autoren verschiedene Risikofaktoren für ein erhöhtes Mortalitätsrisiko antikoagulierter nvVHF-Patienten identifizieren.1

 

Patienten, die während den Studien verstarben, hatten häufiger

  • eine Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte (Odds Ratio [OR]: 1,75; 95-%-KI: 1,25–2,44),
  • ein permanentes/persistierendes VHF (OR: 1,38; 95-%-KI: 1,25–1,52),
  • Diabetes (OR: 1,37; 95-%-KI: 1,11–1,68) und
  • eine verringerte Kreatininclearance (-9,9 ml/min; 95-%-KI: -11,3–-8,4).

Und Sie waren häufiger

  • 75 Jahre oder älter (mittlere Differenz 3,2 Jahre; 95-%-KI: -1,6–4,8) und
  • männlich (OR: 1,24; 95-%-KI: 1,13–1,37).

Die Autoren der Metaanalyse empfehlen deshalb, relevante Begleiterkrankungen sowie Änderungen des Lebensstils besser in eine Antikoagulationstherapie miteinzubeziehen, um die Mortalität von VHF-Patienten noch weiter senken zu können.1

 

Quellen:

  1. Gomez-Outes A et al. Causes of Death in Anticoagulated Patients With Atrial Fibrillation. J Am Coll Cardiol 2016; 68: 2508-2521. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27931607
  2. Connolly SJ et al. Dabigatran versus warfarin in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med 2009; 361: 1139-1151. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19717844
  3. Patel MR et al. Rivaroxaban versus warfarin in nonvalvular atrial fibrillation. N Engl J Med 2011; 365: 883-891. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21830957
  4. Lopes RD et al. Apixaban for reduction in stroke and other ThromboemboLic events in atrial fibrillation (ARISTOTLE) trial: design and rationale. Am Heart J 2010; 159: 331-339. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20211292
  5. Giugliano RP et al. Edoxaban versus warfarin in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med 2013; 369: 2093-2104. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24251359