Hohe Rate an Thrombosen und Lungenembolien bei COVID-19-Patienten

Hohe Rate an Thrombosen und Lungenembolien bei COVID-19-Patienten

Bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 bilden sich ersten Erkenntnissen zufolge verstärkt Blutgerinnsel in den Venen. Hier finden Sie aktuelle Studienergebnisse und neue Empfehlungen zur VTE-Prophylaxe bei COVID-19-Patienten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Autopsiestudie an zwölf verstorbenen COVID-19-Patienten zeigt, dass bei überraschend vielen Betroffenen Lungenembolien und Thrombosen der Beinvenen vorlagen.1
  • Bei einem Viertel der Patienten war eine Lungenembolie die Todesursache.1
  • Die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung empfiehlt für alle COVID-19-Patienten die fortlaufende Prüfung einer medikamentösen Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) mit niedermolekularem Heparin (NMH).2

Die Hamburger Autopsiestudie

Zum besseren Verständnis der aktuellen Coronavirus-Krankheit COVID-19 führt das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) Obduktionen von COVID-19-Patienten durch. Die Auswertung der ersten zwölf Patienten – ihre Begleiterkrankungen, Krankheitsverläufe und die Todesursachen – hat die Forschergruppe nun im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine“1 veröffentlicht.

Häufung von Thrombosen und Lungenveränderungen

Die verstorbenen COVID-19-Betroffenen wurden komplett obduziert. Die Mediziner führten zudem postmortale Computertomographien sowie histopathologische und virologische Analysen durch. Das sind die Ergebnisse:1

  • Das mittlere Alter der Verstorbenen lag bei 73 Jahren (52–87 Jahre).
  • 75 % der Patienten waren männlich.
  • Die häufigsten Begleiterkrankungen waren die koronare Herzkrankheit (50 %) und Lungenerkrankungen wie Asthma oder die chronische obstruktive Lungenerkrankung COPD (25 %).
  • Eine zuvor nicht bekannte tiefe Venenthrombose (TVT) lag bei sieben der zwölf Patienten vor (58 %).
  • In vier Fällen wurden Lungenembolien als direkte Todesursache festgestellt.
  • Bei zehn der zwölf Personen waren die Lungen deutlich schwerer als normal. Das maximale kombinierte Lungengewicht lag bei 3.420 g, das mittlere Gewicht bei 1.988 g und des mediane bei 2.088 g (zum Vergleich: Das Standardlungengewicht beträgt für Männer 840 g und für Frauen 639 g).
  • Die Computertomographie zeigte bei allen Personen eine retikuläre Infiltration der Lunge mit starker, beidseitiger Konsolidierung.
  • Bei acht Patienten (67 %) zeigte die histologische Untersuchung einen diffusen Alveolarschaden.
  • Alle Patienten wiesen hohe Konzentrationen an Sars-CoV-2-RNA in der Lunge auf.
  • 50 % der Betroffenen hatten eine moderate Virämie (< 40.000 Kopien viraler RNA pro Milliliter).
  • Fünf Patienten zeigten hohe virale RNA-Titer in weiteren Organen, darunter in Leber, Niere und Herz.
  • Bei sechs der neun obduzierten Männern fanden sich frische Thrombosen im Venengeflecht der Prostata.

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